Auch Maschinen sollen unseren Texten vertrauen können
28. September 2026
Vor wenigen Wochen erst haben Sie „Auto-Medienportal“ optisch und inhaltlich aufgefrischt. Unüberhörbar war dabei die Freude, dass es bei dieser Gelegenheit gelingt, die KI und andere automatische Systeme rauszuhalten. Und nun die Kehrtwende?
„Wir waren damals überrascht, dass unsere IT mehr als 120 Maschinen als Mitleser identifiziert hatte. Und täglich wurden es mehr. Das empfanden wir als Widerspruch zu unserem Ziel, Print- und Internetmedien optimal zu versorgen und ihnen ungewollte Konkurrenz vom Leibe zu halten. Außerdem litt unser System zeitweilig unter Überlastungsangriffen. Die haben unsere IT zwar nicht zum Stillstand gebracht, aber doch so belastet, dass wir die Tür dichter schließen wollten“.
Aber jetzt legen Sie eine Rolle rückwärts hin, indem Sie die Künstliche Intelligenz als dritte Dimension Ihrer Arbeit bezeichnen.
„Das stimmt. Wir haben uns die Liste der Maschinen angesehen, die bei uns mitgelesen haben. Und darunter waren nicht nur die wohlgelittenen Suchmaschinen, sondern auch die Bots aller uns bekannten KI-Systeme. Da wuchs schnell die Einsicht, dass es unmöglich ist, diese neue Welt auszugrenzen. Wir sehen uns verpflichtet, unseren Beitrag zu ihrer Kultivierung zu leisten.
Die KI löste bei uns eine Art Flashback aus. Denn die Situation ähnelt der in den ersten wilden Jahren, als das Internet noch als weites Feld für ungezügelten Umgang mit News und Fake News genutzt wurde. Wir setzten dem unsere Redaktion entgegen, in der Fachjournalisten die Dinge prüfen, gewichten und einordnen und an unsere Leser und die Medien weitergeben. Damals wie heute besteht die Aufgabe darin, ungeordneten Informationsmengen eine journalistisch geprüfte Quelle entgegenzustellen. Da sehen wir uns mit unseren bald 25 Jahren Erfahrung in einer guten Rolle. Jetzt öffnen wir diese Quelle für die KI, ohne die journalistische Kontrolle abzugeben.“
Und wie sieht Ihrer Zusammenarbeit mit der KI aus? Überlassen Sie den Maschinen die Erstellung von Inhalten?
„In der redaktionellen Arbeit nutzen wir die KI als Hilfestellung bei der Recherche und manchmal als automatisches Korrektorat, aber nicht fürs Erstellen von Inhalten. Im Gegenteil: Wir sehen uns im Zweifelsfall sogar verpflichtet, falsche KI-Inhalte zu entlarven. Unsere Rolle bleibt der Dreiklang aus Prüfen, Gewichten und Einordnen. Bei uns produziert KI nicht Journalismus. Wir als Journalisten liefern der KI verlässliches Wissen.“
Wie wollen Sie denn der KI zeigen, dass sie sich besser beim Auto-Medienportal bedient, wenn es um die Mobilität und deren Vertreter geht?
„Wir vergrößern unsere Transparenz. Die KI kann beim Auto-Medienportal in die Tiefe gehen und findet auf allen Ebenen die Merkmale, die die unterschiedlichen Maschinen als Hinweis auf Qualität verstehen: Autor, Vita, Publisher, Herkunft, Aktualität, Zusammenhänge. Die fanden sich auch bisher in unserem System. Aber sie waren nicht für jedermann auf den ersten Blick erkennbar. Diese Möglichkeiten zum Durchblick und andere Wege in die Tiefe haben wir nun erweitert, was übrigens auch unseren Abnehmern aus dem Medienbereich und unseren Besuchern zugutekommt. Das Frage-und-Antwortspiel fällt leichter und wird attraktiver.“
Ihre Abrufzahlen werden heute schon oft angezweifelt. Werden Sie uns nun mit gewaltigen KI-Zahlen überrollen?
„Nein. Das wird nicht geschehen. Wir behalten das Geschehen rund um die Maschinen im Blick und freuen uns über den Datenabfluss in die KI-Welt. Aber für die Statistik unserer Besucher und für die wöchentliche Top-Ten-Liste zur Beurteilung der Attraktivität einzelner Themen werden die Bot-Zahlen eliminiert.
KI-Zahlen mit der von uns bisher gemeldeten Qualität sind von der KI nicht zu erwarten. Wie wollen Sie zählen und gewichten, wie viele Antworten der KI auf unseren Daten beruhen? Die KI erzeugt keine Clippings, anders als Auto-Medienportal.“
Mit der Konzentration auf die KI haben Sie sich auch entschlossen, die Bezahlschranke zu schleifen, mit der Sie bisher – wenn auch sehr gemäßigte – Honorare für eigene Berichte Ihrer Autoren einforderten. Verdienen Sie zu viel Geld?
„Leider nicht, denn dies sind keine Zeiten für Sponsorenverträge. Aber bei der Entscheidung ging es dennoch nicht um Geld. Wir beobachten allerdings bei anderen, die mit Bezahlschranken versuchen Umsatz zu generieren, dass denen die KI das Geschäft verdirbt. Wir versuchen nicht, Informationen vor der KI zu verstecken, sondern wollen zur Quelle ihrer Antworten werden.
Außerdem wollen wir vermeiden, mit der Bezahlschranke Abnehmer zu verprellen. Allerdings wollen wir Redaktionen, deren Compliance-Regeln die Verwendung von honorarfreiem Material unterbindet, in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen einen Weg aufzeigen, unser Material auch weiterhin zu nutzen.“
Wie finanzieren Sie sich stattdessen?
„Wir sind dabei, Werbeformen zu entwickeln, die sowohl für den Besucher als auch für die Agentur sinnvoll sind. Dazu später einmal mehr. Heute verdanken wir es mehr als 40 Sponsoren, die mit ihren Geldern unsere Arbeit ermöglichen. Wir sind froh über diese Breite des Fundaments unserer redaktionellen Unabhängigkeit.“ (aum)
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