IAA Transportation 2026: Neue Konkurrenz für die Big Seven
11. September 2026 Von Jürgen Pander
Die IAA Transportation, die am Montag in Hannover beginnt, könnte als Messe in Erinnerung bleiben, mit der ein fundamentaler Wandel der Lkw-Hierarchie in Europa einsetzte. Bislang war der hiesige Brummi-Markt ein zwar hart umkämpftes, aber prinzipiell europäisches Terrain. Im vergangenen Jahr stellten die „Big Seven“ – wie die Marken Volvo und Scania (Schweden), Mercedes-Benz und MAN (Deutschland), DAF (Niederlande), Renault Truck (Frankreich) und Iveco (Italien) genannt werden – das Gros der Lkw-Zulassungen. Das wird nicht so bleiben
Unter den rund 1700 Ausstellern, die in Hannover ihre Produkte, Dienstleistungen und Innovationen präsentieren, sind auch rund ein Dutzend neue Lkw-Fabrikanten, die allesamt einen Markteintritt in Europa planen – oder hier sogar schon erste Lastwagen ausgeliefert haben. Es handelt sich vor allem um chinesische Hersteller und um Tesla – und um solche, deren Lastwagen fast ausschließlich auf batterieelektrische Antriebe setzen sowie einige Brennstoffzellen-Modelle mit Wasserstoff.
Die auf nachhaltige Verkehrslösungen spezialisierte Organisation T&E hat soeben eine Studie veröffentlicht, nach der die europäischen Hersteller bis zum Jahr 2030 ein Viertel des Marktes für Elektro-Lkw an die neuen Wettbewerber verlieren könnten. Das liegt vor allem daran, dass nach T&E-Berechnungen vor allem chinesische Lkw bei den Gesamtbetriebskosten um etwa zwölf Prozent niedriger liegen könnten als vergleichbare E-Lkw von europäischen Herstellern. In einem Zeitraum von fünf Jahren würde das Einsparungen von bis zu 43.000 Euro bedeuten – eine stattliche Summe in einer Branche, wo mit äußerst spitzem Stift kalkuliert wird.
Der prognostizierte Kostenvorteil eines chinesischen E-Lkw kommt vor allem von Kaufpreisen, die nach Aussagen einiger Firmen aus China um 15 bis 25 Prozent niedriger sein werden, als die Preise von Volvo, Mercedes & Co.. Warum die chinesischen Firmen ihre Trucks vergleichsweise günstig anbieten können? Einerseits, weil die Akku-Produktion in China billiger ist, und vor allem, weil auf dem Heimatmarkt China bereits hohe Stückzahlen an Elektro-Lkw ausgeliefert werden: Im vergangenen Jahr waren es rund 400.000 Elektro-Lkw aller Größenklassen. Zum Vergleich: In Europa waren es 2025 knapp 14.000 Null-Emissions-Lkw. Die Skaleneffekte sind also weitaus höher als beim bislang eher zögerlichen Hochlauf der E-Lkw-Produktion europäischer Hersteller.
Technisch dürften die China-Trucks den hiesigen Fahrzeugen einigermaßen ebenbürtig sein. Zumindest in der Theorie weisen die Fahrzeuge ordentliche Werte vor. Die Sattelzugmaschine Sany e 263 etwa, die im chinesischen Changsha gebaut und erstmals in Hannover gezeigt wird, tritt mit 800-Volt-Architektur, einem LFP-Akku mit 636 kWh Ladekapazität und einer Reichweite von gut 500 Kilometern an. In China wird das Modell bereits seit einigen Monaten ausgeliefert.
Auch das erst 2022 gegründete Start-up Superpanther zeigt eine E-Sattelzugmaschine, das Modell e-Topas 600. Die Fahrzeuge für Europa werden bei Steyr Automotive in Österreich gebaut, erste Fahrzeuge wurden bereits ausgeliefert, darunter ein E-Lkw an den Logistikdienstleister DHL.
Weitere Hersteller aus China mit E-Lkw-Ambitionen in Europa, die auf der IAA Transportation ausstellen sind Sinotruk, Skyworth, Foton sowie Jiefang. Und auch BYD, bislang hierzulande als Hersteller von Elektro-Pkw bekannt, zeigt in Hannover Gerüchten zufolge einen Lkw. Und die Unternehmen Wisdom Motor und Dongfeng, beide ebenfalls aus China, haben für die Messe neue Wasserstoff-Lastwagen angekündigt.
Ähnlich spannend wie die weitere Entwicklung der neuen Wettbewerber aus China dürfte der anscheinend bevorstehende Europa-Markteintritt von Tesla werden. In Hannover steht der Elektrotruck Semi, und zwar erstmals in der europäischen Variante. Der Lkw selbst ist keine Überraschung mehr, bereits 2017 wurde er erstmals vorgestellt. Dann folgten Tesla-typisch immer wieder Verzögerungen und Verschiebungen. Seit Ende April 2026 wird der Truck nun aber in den USA gebaut und verkauft. Und jetzt soll auch der Start in Europa erfolgen. Nach allem, was man bislang über den Tesla Semi weiß, soll er etwa 550 Kilometer Reichweite ermöglichen, eine Ladeleistung von bis zu 800 kW bieten und mit – je nach Variante – bis zu drei E-Maschinen mit insgesamt bis zu 800 kW Leistung (1088 PS) ausgestattet sein.
Unabhängig davon, wie erfolgreich die vielen, neuen Lkw-Hersteller auf dem europäischen Markt im Einzelnen sein werden: Das seit Jahrzehnten bestehende Gefüge der hiesigen Platzhirsche dürfte zumindest in Bewegung geraten. Was für die Kunden in der Transportbranche keine schlechte Nachricht ist. Denn bekanntlich belebt Konkurrenz das Geschäft. (aum)
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Tesla Semi.
Photo: Tesla via Autoren-Union Mobilität
Chinesischer Elektro-Lkw Sany e 263.
Photo: Sany via Autoren-Union Mobilität
Superpanther e-Topas 600.
Photo: Superpanther via Autoren-Union Mobilität
Superpanther e-Topas 600.
Photo: Superpanther via Autoren-Union Mobilität
Tesla Semi.
Photo: Tesla via Autoren-Union Mobilität