Praxistest Zeekr 001: Doppelnull-Agent mit der Lizenz zum Erobern
12. September 2026 Von Axel F. Busse
Heimlich, still und leise hat sich Geely zu einem stattlichen Player auf dem deutschen Markt gemausert. Von den Marken Volvo, Polestar, Lotus, Lynk & Co sowie Smart wurden im vergangenen Jahr mehr als 70.000 Fahrzeuge neu zugelassen, das sind mehr als von Nissan und Suzuki zusammen. Schon vor drei Jahren hatte man zwei Zeekr-Modelle gezeigt, doch erst seit diesem Frühjahr sind sie auch auf der Straße zu sehen. Nur vereinzelt zwar, aber das elektrische Shooting-Brake-Modell 001 macht klar, wohin die Reise geht: Weiter nach oben.
Wenn Porsche in China immer weniger Exemplare seiner elektrischen Luxus-Schlitten verkauft, dann könnte das auch daran liegen, dass es Autos wie den Zeekr 001 gibt. In Silhouette, den prägenden Design-Linien, Proportionen und Abmessungen erinnert er an den Taycan Sport Turismo aus Zuffenhausen. Allerdings hat der Zeekr knapp zehn Zentimeter mehr Radstand und ist rund 15 cm höher. Die Leistung der gefahrenen Variante „Privilege AWD“ ist identisch mit der des Taycan 4S – es liegen 400 kW oder 544 PS an. Je Pferdestärke kostet das chinesische Auto 130 Euro, das deutsche 226 €. Aktuell steht der Zeekr 001 als Privilege-Version mit 70.990 Euro in der Preisliste.
Es gibt gute Gründe, dies als Kampfpreis anzusehen. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer hat jüngst sogar einen „Preiskrieg aus China“ diagnostiziert. Unabhängig davon ist das, was etwaige Kunden für ihr Geld bekommen, aber enorm. Aus Platzgründen seien hier nur einige Ausstattungs-Merkmale genannt: 22-Zoll-Alufelgen, aktive Luftfederung, LED-Matrix-Scheinwerfer, Panorama-Glasdach, elektrische Heckklappe, Wärmepumpe, Vordersitze beheiz- und belüftbar mit Massagefunktion, Lenkradheizung, Rücksitze beheizbar, 3-Zonen-Klimaautomatik, Head-Up-Display, 5,7-Zoll-Touchscreen für Fond-Passagiere, USB-Anschlüsse für beide Sitzreihen und, und, und…
Das Arsenal von Sicherheits- und Assistenz-Systemen ist natürlich auch vollständig, nur das Vokabular der Sprachsteuerung erwies sich als ausbaufähig: „Dabei kann ich Dir leider noch nicht helfen“, ist eine Mitteilung, die im Test häufiger zu hören war. Manche Informationen sind so in den Tiefen des Menüs verborgen, dass eifriges Herumtippen auf dem zentralen 15,4-Zoll-Display vonnöten ist. Sucht man im Bordbuch beispielsweise die Verbrauchsanzeige, bekommt man einen ebenso ungebräuchlichen wie aussageschwachen Wert von Wattstunden je Kilometer geliefert. Die Folge: Ein ermahnender Ruf der Fahrerüberwachung, weil man zu lange auf den Bildschirm statt auf die Straße geschaut hat.
Wer sich im Stillstand auf die Suche Besonderheiten macht, entdeckt vielleicht auch die Einstellungs-Oberfläche für den virtuellen Motorsound. Ihn zu aktivieren bringt aber nicht wirklich Gewinn, denn die Geräuschkulisse wirkt allzu künstlich und weckt keinerlei Emotionen. Die kupferfarbenen Deko-Spangen an vielen Stellen der Innenverkleidung sehen zwar elegant aus, machen sich aber leider als störende Reflektionen in der Seitenscheibe bemerkbar.
Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Kabine gediegen möbliert ist, hochwertige Materialien für eine edle Atmosphäre sorgen und man sich über reichlich Bewegungsfreiheit freuen kann. Zwischen den Türverkleidungen sind vorn 1,54 Meter Platz, hinten sind es 1,49 m. Die Ladekante ist mit 72 Zentimetern angenehm niedrig, der Kofferraum 539 Liter groß. Über das Volumen bei umgelegten Rücksitzlehen gibt das offizielle Datenblatt leider keine Auskunft. Dafür steht aber das Gewicht drin, es soll 2410 kg betragen. Unser Testwagen brachte 45 kg weniger auf die Waage. Ein nicht immer ganz schmerzfreies Thema für Elektrofahrzeuge ist die Anhängelast. Der Zeekr 001 darf sehr respektable 2000 Kg auf den Haken nehmen.
Bleibt die Betrachtung der elektrischen Qualitäten. Mit 200 kW kann maximal geladen werden, dann soll das Auffüllen des 100 kWh-Akkus von 10 auf 80 Prozent eine halbe Stunde dauern. Am Wechselstrom-Kabel mit 22 kW können schon mal mehr als fünf Stunden bis zu 100-Prozent-Marke vergehen. Als unser Testwagen sie erreichte, sollte Stromvorrat für 568 Kilometer an Bord sein, was eine vielversprechende Nähe zum Hersteller-Versprechen (585 km) darstellt. Mehr als gefordert zeigte der Wagen auf der Autobahn: Statt 200 km/h wie in der Zulassung vermerkt erreichte der Testwagen GPS-gemessene 205 Stundenkilometer. Den Verbrauch gibt Zeekr mit 18,5 kWh/100 km an. In der Praxis rechnet man besser mit Zwanziger-Werten, zumal die E-Maschinen nicht entkoppelt werden können und damit das so genannte „Segeln“ ausfällt.
Es ist leicht, mit einer Null-Null-Ziffernfolge Assoziationen zu Figuren aus dem Geheimdienst- und Agentenfilm-Genre zu wecken. Tatsächlich bietet Zeekr auch ein Auto mit den Zahlen „007“ an, allerdings nicht in Deutschland. Will man in Anlehnung dessen dem Modell 001 eine besondere Eigenschaft unterstellen, ist es wohl die Fähigkeit, Kunden zu erobern, die bisher eher den traditionellen Premium-Marken zugetan sind. Umfangreiche Ausstattung, reichlich Fahrdynamik, behagliches Gleiten und ein verlockendes Preis-Leistungs-Verhältnis sind gute Voraussetzungen dafür.
Außer viel Licht und etwas Schatten hat der Zeekr 001 freilich noch Anderes zu bieten: Vor allem für sogenannte „early adopters“ könnten sich die Fragen von Beratung, Service und Kundendienst als Herausforderung erweisen. Ein klassisches Händlernetz soll nämlich erst noch aufgebaut werden, weshalb man Zeekr auch als „seeker“ – englisch für Sucher – lesen kann. (aum)
Daten Zeekr 001 Privilege AWD
Länge x Breite x Höhe (m): 4,96 x 2,00 x 1,56
Radstand (m): 3,00
Antrieb: 2 E-Motoren, Allradantrieb
Leistung: 400 kW / 544 PS
Max. Drehmoment: 686 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,8 Sek.
Batteriekapazität: 100 kWh
Normreichweite (WLTP): 585 km
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 18,5 kWh
Leergewicht / Zuladung: 2410 kg / k.A.
Anhängelast: 2000kg
Kofferraumvolumen: 539 Liter
Preis: 70.990 Euro
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Zeekr 001.
Photo: Axel Busse via Autoren-Union Mobilität
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