Sealander: Kombinierter Freizeit-Verkehr

Ein Wohnwagen der schwimmen kann? Die Idee ist nicht neu, aber immer wieder charmant. Auch wenn das rund vier Meter lange Gefährt in der Serienausstattung nur begrenzten Komfort bietet, bezaubert die Idee, zwischen Campingplatz und Marina zu pendeln.

Bevor 1992 der Rhein-Main-Donaukanal seiner Bestimmung übergeben wurde, gab es allerlei Zweifel am Nutzen der rund 170 Kilometer langen Wasserstraße, die über den Rhein, den Main und eben die Donau die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbinden sollte. In seiner Sendung „Schweibenwischer“ etwa witzelte der Kabarettist Dieter Hildebrandt, dass die übliche seemännische Begrüßungsformel „Schiff Ahoi“ hier eher in „Hoi, a Schiff“ umgewandelt werden müsse. Beim Anblick des Sealander jedoch wäre beides nicht wirklich korrekt.

Denn das knapp vier Meter lange und unbeladen nur rund 600 Kilogramm schwere Gefährt lässt sich ohne Extra-Führerschein von einem Zugwagen mit entsprechender, ungebremster Anhängelast wie ein Caravan ziehen. Oder kann, angetrieben von einem maximal 10 PS (7 kW) starken Außenborder, wie ein Motorboot der Kategorie D zu Wasser gelassen werden. Auf dem Land ist der Sealander also ein ungebremster Wohnanhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 750 Kilogramm und darf, wie jeder andere Wohnwagen dieser Kategorie bewegt, geparkt und genutzt werden.

Auf dem Wasser ist er jedoch nur bei bestimmten Witterungsbedingungen in kleinen Buchten, auf Seen, schmalen Flüssen oder Kanälen und in geschützten küstennahen Gewässern bis zu einem Kilometer Abstand zum Ufer zugelassen. Die CE-Seetauglichkeitseinstufung sagt dazu: „Boote der Kategorie D sind ausgelegt für Fahrten, bei denen Wetterverhältnisse mit einer Windstärke bis einschließlich 4 (11 bis 16 Knoten / 20 bis 30 km/h) und einer signifikanten Wellenhöhe bis einschließlich 0,3 m und gelegentlich Wellenhöhen von höchstens 0,5 m, beispielsweise aufgrund vorbeifahrender Schiffe, auftreten können.“ Auf Rhein, Main oder Donau wäre er nicht einsetzbar, zumal es für diese Bundeswasserstraßen eigene Führerscheinregeln gibt.

Ohne Motor geht es nicht, der Hersteller empfiehlt bauartbedingt einen 5-PS-Motor mit Langschaft, der am Heckspriegel montiert wird. Da der Sealander im Wasser kein Gleiter, sondern ein Verdränger ist, legt seine Länge die sogenannte Rumpfgeschwindigkeit fest, die bei rund 10 km/h oder 5 Knoten liegt. Sie lässt sich bereits mit der empfohlenen Motorisierung erreichen. Zum Wasserskilaufen reicht das nicht, wohl aber für manchen Törn auf den deutschen Seenplatten.

Auf der Straße darf der Bootswohnwagen nicht mehr als 750 Kilogramm wiegen, auf dem Wasser sind als Zuladung höchstens 410 Kilogramm erlaubt, die zum Leergewicht (je nach Ausstattung zwischen 530 und 600 Kilogramm) addiert werden dürfen. Zu Wasser gelassen wird das Hybridmobil über die einschlägigen Slipanlagen, wie sie in Marinas und anderen Gewässern zu finden sind. Zehn bis 15 Minuten dauert der Vorgang, den eine Seilwinde am Zugfahrzeug deutlich erleichtert, dann steht einer Spritztour beisspielswesie auf der Müritz nichts mehr im Wege.

Innen ist der Sealander serienmäßig eher frugal ausgestattet. Die beiden gegenüberliegenden Sitzflächen sind 1,85 Meter lang und können fürs Übernachten zu einer 1,40 x 2,02 Meter großen Liegefläche umgebaut werden. Zur Grundausstattung gehören Leichtmetallräder, Vorhänge, Sitzkissen sowie das Falt- und das Klappverdeck. Vieles andere gibt es gegen Aufpreise, etwa eine Kühlbox, eine Kochstelle, ein Waschbecken, eine Kassettentoilette und eine Grillvorrichtung. Hilfreich bei der Wanderfahrt übers Wasser ist außerdem das Marine- und Anker-Kit, bei dem es Leinen zum Festmachen, mehrere Fender und einen Anker gibt.

Die Verarbeitung ist anspruchsvoll. Die Formen des Bootscaravans werden in Handarbeit aus glasfaserverstärktem Kunststoff laminiert und mit einem Gel-Coating resistent auch gegen Salzwasser gemacht. Die Radlager sind abgedichtet, da das Fahrwerk des Sealander ungebremst ist, gibt es keine weiteren Bauteile am Chassis, denen Nässe schaden könnte. Das alles zusammen verspricht eine lange Haltbarkeit.

Die es allerdings auch zu erwarten gibt, denn ganz billig ist die Kombination aus Boot und Wohnwagen nicht. 39.750 Euro kostet der Sealander nackt, mit den oben erwähnten nötigen Extras sind nochmals rund 6000 Euro fällig. Aber es lässt sich immerhin der eine oder andere Euro für eine Fähre bei der Flussdurchquerung sparen. (aum)


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Bilder zum Artikel

Der Sealander gilt als Motorboot der Klasse D.

Der Sealander gilt als Motorboot der Klasse D.

Photo: Sealander via Autoren-Union Mobilität


Zum Ziehen des Sealander genügen erlaubte 750 Kilogramm Anhängelast.

Zum Ziehen des Sealander genügen erlaubte 750 Kilogramm Anhängelast.

Photo: Sealander via Autoren-Union Mobilität


Sealander.

Sealander.

Photo: Sealander via Autoren-Union Mobilität


Als Antrieb für den Sealander werden Motoren von fünf bis zehn PS empfohlen.

Als Antrieb für den Sealander werden Motoren von fünf bis zehn PS empfohlen.

Photo: Sealander via Autoren-Union Mobilität


Sealander: Zu Wasser gelassen  wird der schwimmfähige Caravan auf einer Slipanlage.

Sealander: Zu Wasser gelassen wird der schwimmfähige Caravan auf einer Slipanlage.

Photo: Sealander via Autoren-Union Mobilität


In der Marina ist der Sealander ein Hingucker.

In der Marina ist der Sealander ein Hingucker.

Photo: Sealander via Autoren-Union Mobilität


Sealnader: Die Wellen dürfen nicht zu hoch schlagen.

Sealnader: Die Wellen dürfen nicht zu hoch schlagen.

Photo: Sealander via Autoren-Union Mobilität