Praxistest Triumph Tracker 400: Mehr als nur Kosmetik
7. August 2026 Von Jens Riedel
Die Tracker macht Triumphs Einstiegsbaureihe hierzulande zum Quartett (Speed, Scrambler, Scrambler XC und Tracker). Und der Neuzugang darf sogar noch etwas mehr als nur anders aussehen. Der 398 Kubikzentimeter große Einzylinder lässt mit 42 PS zwei Pferde mehr antraben als bei den drei Geschwistern. Die liegen zudem 1000 Umdrehungen in der Minute später an. Gleiches gilt auch für das maximale Drehmoment, das selbst aber nicht gestiegen ist.
Die Basis der Tracker ist eine Mischung aus Speed und Scrambler. Von den Dimensionen her ist sie näher an der Speed, von der Scrambler übernimmt sie den kerniger klingenden Doppelrohrauspuff. Dass da aber nicht nur einfach leichte Kosmetik betrieben wurde, zeigt sich nicht nur in der geänderten Motorabstimmung. Triumph hat sich zum Beispiel auch die Mühe gemacht, einen etwas eckiger gestalteten Tank (bei gleichem Volumen) zu montieren. Dazu kommen ein dem Modellnamen entsprechender, deutlich flacherer und etwas breiterer Lenker sowie etwas höher und weiter zurück positionierte Fußrasten. Die ergonomischen Änderungen sorgen für eine stärkere Vorderradorientierung.
Das alles ist im typischen Look der Modern-Classic-Baureihen von Triumph verpackt. Mühe hat sich die Marke auch mit den Graphics gemacht. Der Modellschriftzug läuft über den unteren Teil des Tanks, es gibt eine gegenüber der Scrambler ebenfalls anders geformte Startnummerntafel mit einer „400“ und angedeutete Dreckspuren auf den Racingstreifen. Dazu kommen die Einsitzeroptik dank Soziussitzabdeckung und ein Polster in Wildlederoptik. Well done. Apropos Sitzbank: Das Schloss für die Entriegelung wird (für den Track Day) von einer Staubkappe geschützt.
Die gegenüber den bisherigen 400ern angehobene Drehzahl macht sich in zweierlei Hinsicht bemerkbar. Zum einen dreht der Einzylinder noch müheloser jenseits der 130 km/h bis in den Top-Speed-Bereich, der hier übrigens mit 160 km/h höher liegt. Zum anderen sind aber auch die Vibrationen im oberen Drehzahlbereich etwas stärker und bringen sogar hin und wieder die Tachonadel zum Zittern. Der Wohlfühlbereich des 398-Kubik-Triebwerks liegt klar zwischen 3000 und 6000 Umdrehungen in der Minute, wenn am Ende eine seidenweich laufende Reisegeschwindigkeit von 110 km/h anliegt. Erst ab Tempo 120 wird es dann etwas ruppiger – aber wie gesagt, ohne dass der Motor anschließend groß an Zugkraft verlieren würde. Die Top-Speed erreicht die Tracker auf dem Tacho bei 9000 Touren jedenfalls stets mühelos. Dabei zeigen die aufgezogenen Dual-Purpose-Reifen von Pirelli keinerlei Unruhe.
Der Sound klingt voluminöser, als es der Hubraum vermuten lässt. Die wendige 400er-Triumph liegt mit ihrem weit einschlagenden Lenker sprichwörtlich gut in der Hand, lässt sich leicht von einer Ecke in die andere zirkeln und ebenso rasch wieder in die Spur zurückführen. Die Tracker ist enorm schräglagenfreundlich und ihre Fußrastenschleifer sind keineswegs nur Show. Bei Bedarf zieht sie den Radius mühelos enger. Die Federung ist durchaus komfortabel, ohne auf die nötige Straffheit zu verzichten. Das Getriebe wechselt die Gänge präzise, die Kupplungskräfte sind moderat. Die Vorderradbremse ist erfreulich griffig, hinten verlangt es dagegen bei nur mäßig spürbarem Druckpunkt manchmal etwas Nachdruck. Die Traktionskontrolle ist weiterhin abschaltbar. Triumph beweist zudem, dass auch klassisch angebrachte Spiegel ausreichend Sicht bieten können, wenn die Ausleger nur weit genug nach außen und weniger stark nach oben geführt werden (das sei einigen anderen Herstellern zur Nachahmung empfohlen).
Mit dem 13-Liter-Tank sind Reichweiten um die 300 Kilometer möglich. Doch wie schon vor zwei Jahren mit entsprechenden Schreckmomenten auf der Speed 400 ist die in Zehnerschritten arbeitende Anzeige nicht unbedingt vertrauenswürdig. Sie verharrte nach dem Tankstopp 80 Kilometer lang (!) auf ihrem Stand von 290 Kilometern und ließ auch dann erst zehn Kilometer nach. Danach wurden dann auf nur 15 Kilometern rasch sukzessive weitere 50 Kilometer abgezogen. Dann verharrte die Anzeige wieder 30 Kilometer lang, ehe sie wieder zehn nachgab. Erst nach rund 120 Kilometern Fahrt hatte sich die Anzeige einigermaßen eingependelt. Und von 110 sprang sie plötzlich gleich auf 90 und auf Reserve. In einem anderen Fall leuchtete sie aber auch schon bei 120 Kilometern Restreichweite auf. Verlässlich fühlt sich anders an.
Triumph ist mit der Tracker eine echte Bereicherung der Klasse unter 500 Kubik gelungen. Die Optik begeistert ebenso wie die Spritzigkeit des Einzylinders. Das etwas höhere Drehzahlniveau verlangt gegenüber der Speed-Schwester in der Praxis einen kleinen Expresszuschlag an der Zapfsäule, spricht aber auch für den Fahrspaß. Zwar ist eine abschaltbare Traktionskontrolle an Bord, beim Rest hält sich Triumph allerdings eher etwas bedeckt. Und ehrlich gesagt: Fahrmodi braucht es in diesen Hubraum- und Leistungsregionen nun wirklich nicht. (aum)
Daten Triumph Tracker 400
Motor: Einzylinder, 398 ccm, flüssigkeitsgekühlt
Leistung: 31 kW / 42 PS bei 9000 U/min
Max. Drehmoment: 37,5 Nm bei 7500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: k. A.
Getriebe: sechs Gänge
Antrieb: Kette
Tankinhalt: 13 Liter
Sitzhöhe: 805 mm
Gewicht: 173 kg (fahrbereit)
Normverbrauch: 3,6 l/100 km
Testverbrauch: 4,5 l/100 km
CO2-Emissionen: 84 g/km
Bereifung: 110/70 R17 (v.), 150/60 R17 (h.)
Preis: 6245 Euro (+ NK)
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Triumph Tracker 400.
Photo: Autoren-Union Mobilität
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Photo: Triumph via Autoren-Union Mobilität
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Video: Triumph via Autoren-Union Mobilität