Philipp Hempel: „Wir suchen ganz bewusst nicht nach Superlativen“

Philipp Hempel leitet bei Geely Auto Deutschland den Vertrieb und das Marketing. Im Interview mit dem Auto-Medienportal erklärt der Manager die Strategie des Herstellers auf dem deutschen Markt. Erklärtes Ziel ist es, größter chinesischer Importeur zu werden. Mit Philipp Hempel sprach Walther Wuttke.

Herr Hempel, warum sollen deutsche Kunden einen Geely kaufen?

„Das ist leicht zu beantworten. Weil sie bei und ein sehr sicheres Fahrzeug mit einer sehr guten Ausstattung und einer überdurchschnittlichen Qualität bekommen, und außerdem besitzen unsere Modelle ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.“

Wie definieren Sie Ihre Marke?

„Wir sind nicht im Premiumbereich unterwegs, aber wir wollen unseren Kunden Elemente aus diesem Segment nicht vorenthalten. Wir verstehen uns aber ganz klar als Anbieter im Feld der Volumenmarken. Premium überlassen wir unseren Schwestermarken Zeekr und Volvo.“

Mit welchen Zielen starten Sie auf dem deutschen Markt?

„Unser wichtigstes kurzfristiges Ziel ist die Netzentwicklung. Wir planen bis zum Ende des kommenden Jahres den Aufbau von 150 Vertriebspunkten. Und außerdem arbeiten wir daran, die Bekanntheit der Marke aufzubauen, und aus diesen beiden Aufgaben werden sich auch die Verkaufszahlen entsprechend entwickeln.“

Stichwort Marken-Bekanntheit. Durch die weitgehende Konzentration der Branche auf eine Karosserieform ist es nicht gerade einfach, sich von den anderen Anbietern abzuheben. Wie wollen Sie in diesem Umfeld Ihre Bekanntheit verbessern und Ihre Einzelstellung betonen?

„Ich würde diese Situation nicht allein auf chinesische Anbieter begrenzen. Wir werden nie das schnellste oder am schnellsten ladende Auto im Portfolio haben. Wir suchen ganz bewusst nicht nach Superlativen, sondern machen der breiten Masse der Kunden ein attraktives Angebot. Wir werden uns daher bewusst frech positionieren und bringen diese Haltung mit unserem Leitgedanken ‚Wir brauchen keine neue Automarke in Deutschland. Doch?‘ auf den Punkt. Wir werden vor allem das Thema Preis-Leistung unserer Modelle in den Mittelpunkt stellen.“

Sie werden im Herbst rund 40 Händler haben und planen den Ausbau auf 150 Stützpunkte. Mit dieser Zahl operieren auch Ihre chinesischen Mitbewerber. Wo kommen die Händler eigentlich her?

„Wir haben in Deutschland rund 5000 Händlergruppen und bewegen uns vorerst in einem Mehrmarken-Kosmos. Außerdem erleben wir eine Verschiebung in der Industrie, weil sich einige Marken von ihren Kernmodellen verabschiedet haben. Diese Entwicklung öffnet uns natürlich Türen. Außerdem haben wir erfahrene Vertriebsspezialisten an Bord, die den Markt kennen. Es gibt aber auch sehr große deutsche Investoren, die die Strategie verfolgen, an jedem Standort eine chinesische Marke anzubieten. Und natürlich profitieren wir in der Branche auch von dem Ruf, den Geely im Laufe der Jahre nach den Übernahmen von Volvo und Lotus aufgebaut hat.“

Welche Rolle spielt das Volvo-Händlernetz in Ihrer Strategie?

„Volvo und Geely gehören zwar zur gleichen Familie, spielen im Markt jedoch in unterschiedlichen Teams. Beide Marken verfolgen unterschiedliche Vertriebsstrategien und sprechen unterschiedliche Kundengruppen an. Volvo-Händler sehen in Geely eine attraktive Ergänzung ihres Portfolios, weil sie dadurch zusätzliche Absatzpotenziale erschließen können. Unser Ziel ist es daher, gemeinsam mit interessierten Handelspartnern weitere Verkaufsstandorte für die Geely-Gruppe aufzubauen. Dabei achten wir konsequent auf eine klare Trennung der Markenauftritte an gemeinsamen Standorten. Am Ende geht es nicht darum, bestehende Strukturen zu ersetzen, sondern unser Vertriebsnetz gezielt zu erweitern.“

Wie erleben Sie die mitunter sehr kritische Stimmung gegenüber chinesischen Anbietern?

„Gar nicht. Wir werden als internationaler Konzern mit hoher Kompetenz wahrgenommen. Aus Händlersicht sieht das anders aus. Da sind wir ein sehr gutes Geschäftsmodell. Für viele Kunden stehen bei der Kaufentscheidung vor allem Produkt, Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis im Vordergrund.“

Welchen Absatz peilen Sie an?

„Unser langfristiges Ziel ist es, der erfolgreichste chinesische Importeur in Deutschland zu werden. Der Fokus liegt zunächst auf einem nachhaltigen Wachstum.“

Wieviel Unterstützung erhalten Sie bei der Entwicklung der Fahrzeuge von Volvo?

„Das ist schon ordentlich. Das Engineering von Geely in Schweden ist sehr stark mit dem Entwicklungsprozess der europäischen Autos verzahnt.“

Plant Geely wie die anderen chinesischen Anbieter eine Produktionsstätte in Europa?

„Mit dem am 23. Juli angekündigten Joint Venture mit Ford haben wir einen entscheidenden Schritt unserer Europastrategie umgesetzt. Gemeinsam werden wir künftig Fahrzeuge im Ford-Werk in Valencia produzieren. Das ist für uns weit mehr als eine Produktionsentscheidung. Es ist ein klares Bekenntnis zum europäischen Markt. Wir investieren langfristig in Europa, verkürzen Lieferketten und schaffen die Grundlage dafür, unsere Kunden in Zukunft noch schneller und effizienter mit lokal produzierten Fahrzeugen zu versorgen.“

Wo sehen Sie Ihre potenziellen Kunden?

„Aufgrund auch der niedrigen finanziellen Einstiegshürde ist das ein großer Kundenkreis, den wir ansprechen. Bei unseren beiden SUV sehe ich vor allem Familien, aber auch die so genannten Empty Nester, also die ältere Generation, wo die Kinder das Elternhaus verlassen haben. Unser Kleinwagen sollte für eine jüngere Kundschaft mit einem begrenzten Budget interessant sein, die gleichzeitig für die staatliche Förderung qualifiziert sind.“

Im Herbst kommt dieser Kleinwagen auf den Markt. Können Sie dazu schon Details nennen?

„Vom Geely E2 verkaufen wir in China 45.000 Fahrzeuge im Monat. Das Modell hat ungefähr die Größe eines Opel Corsa oder Volkwagen Polo und ist vollelektrisch. Der Akku ist für den urbanen Verkehr ausgelegt, was den Preis attraktiv macht. Das Design wurde bewusst urban und modern gestaltet und spricht eine breite Zielgruppe an. Wir werden dieses Auto für rund 21.000 Euro ohne Förderung auf den Markt bringen.“

Wo sehen Sie Geely in Deutschland in fünf Jahren?

„Wenn jemand ein Auto im Volumensegment sucht, muss man über uns stolpern. In fünf Jahren soll Geely also als feste Größe im deutschen Volumensegment etabliert sein.“ (aum)


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Philipp Hempel.

Philipp Hempel.

Photo: Geely via Autoren-Union Mobilität


Philipp Hempel.

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Photo: Geely via Autoren-Union Mobilität