Oldtimer-Szene im Umbruch

Exakt 923.538 Oldtimer waren Anfang 2026 in Deutschland zugelassen. So viele wie noch nie zuvor. Ein Rekordwert, der aus den Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hervorgeht. Dennoch ist kaum jemand in der Szene in euphorischer Feierlaune. Zu groß sind die Probleme, vor denen die Oldtimer-Community derzeit steht. Es geht um das Erbe der Leidenschaft für betagte Fahrzeuge.

„Die Szene altert“, sagt Ekkehard Pott, Präsident des Bundesverbands Oldtimer und Youngtimer DEUVET. Aus fast allen Clubs hört er, dass das Durchschnittsalter der Mitglieder schneller steige als der demografische Wandel insgesamt. Noch seien zwar die Mitgliedszahlen weitestgehend konstant, sagt Pott. Doch er fügt hinzu: „Sowohl marken- oder modellgebundene Clubs als auch Clubs mit Regionalbezug werden sich hinsichtlich Struktur, Aktivitäten und Kommunikation auf jüngere Menschen einstellen müssen, wenn sie langfristig erfolgreich aktiv bleiben wollen.“ Kurz gesagt: Wenn sich nichts ändert, droht die Leidenschaft für historische Automobile verloren zu gehen.

Geprägt wird die Altmetall-Szene nämlich insbesondere von den so genannten Baby-Boomern, also den geburtenstarken Jahrgängen von 1955 bis 1969, und zudem von der Generation X (bis etwa Jahrgang 1980). Das ist auch die Erfahrung von Marius Brune, Experte beim Oldtimer-Marktbeobachtungsunternehmen Classic Data. Brune: „Diese Gruppen kommen aber nach und nach in ein Alter, in dem sie ihre Oldtimer-Sammlung allmählich ausdünnen möchten.“

Solche altersbedingten Veränderungen gibt es immer wieder. In diesem Fall jedoch kommen Probleme hinzu, denn junge Interessenten sind zum einen zahlenmäßig nicht so groß vertreten, zum anderen sind sie anders organisiert als zum Beispiel Baby-Boomer. „Digitale Kommunikation ersetzt weitgehend das persönliche Gespräch auf dem Clubabend“, sagt DEUVET-Präsident Pott. Es fehlt potenziell also an Berührungspunkten, um die Leidenschaft von einer zur nächsten Generation zu übertragen.

Hinzu kommt: Das Interesse an den Fahrzeugen, die in der Szene bislang hoch im Kurs standen, ist bei den nachkommenden Generationen eher begrenzt. Denn Baby-Boomer und Generation X besitzen insbesondere mobile Schätze aus den 50er-,60er- und 70er-Jjahren. Demgegenüber steht eine „Verlagerung der Interessenschwerpunkte“, wie Ekkehard Pott berichtet. „Aktuell stehen Fahrzeuge der Neunziger und frühen 2000er Jahre hoch im Kurs, während Fahrzeuge der Sechzigerjahre und älter immer weniger Kaufinteresse und Aufmerksamkeit bekommen.“

Das sei ein durchaus erwartbarer Wandel. „So bedauerlich diese Entwicklung auch sein mag, sie folgt dem Altersschwerpunkt der neu ins Hobby einsteigenden Menschen.“ Denn gefragt sind vor allem Autos aus der eigenen Kindheit, mit denen positive Erinnerungen verbunden sind oder die damals unerreichbar schienen. Die aktuell begehrten Fahrzeuge von Neueinsteigern seien deshalb in der Regel etwa 25 bis 32 Jahre alt, sagt Pott. Ältere Fahrzeuge, wie sie die Szene bislang vor allem sammelte, verlieren hingegen bei Neuankömmlingen an Bedeutung.

Diese Interessenverschiebung spiegelt sich genau wie die aktuelle Krisenstimmung in der gesamten Autobranche auch in den Marktpreisen wider, wie die Auswertungen von Classic Data zeigen. Ein Mercedes-Benz 300 S (W 188) der Baujahre bis 1955 ist in den letzten sechs Jahren von 340.000 Euro auf 260.000 Euro gefallen. Auch beim Kultauto VW Käfer 1200 Export (bis 1964) fiel der Wert von 18.400 Euro im Jahr 2020 auf zuletzt 17.900 Euro. Und Fahrzeuge wie der Barockengel BMW 501/502 haben ebenfalls massiv an Wert verloren. Es zeigt sich: Je älter das Fahrzeug, desto schwieriger der Markt. Vorkriegsfahrzeuge, einst Juwelen in den Garagen automobiler Sammler, rufen kaum noch Interesse hervor.

Die Oldtimer-Szene steht also vor einem Umbruch. Autos, die lange Zeit Hingucker auf Messen oder Klassikertreffen waren, geraten zunehmend ins Hintertreffen. Insbesondere jüngere Oldtimer und Youngtimer sind dagegen im Kommen. „Wer an Oldtimer denkt, hat häufig Fahrzeuge mit ganz viel Chrom und wenig Sicherheitstechnologien im Kopf. Die Wahrheit ist jedoch: Auch Autos wie der Audi A4 Avant oder der 3er-BMW E36 sind mittlerweile Oldtimer. Das sind super Fahrzeuge ganz ohne Chrom, dafür aber mit Airbag. Bei solchen Modellen verzeichnen wir einen starken Zulauf“, sagt Brune.

Für die Oldtimergemeinschaft bietet sich so die Chance, jüngere Zielgruppen stärker in Fanclubs, Ausfahrten und weitere Veranstaltungen einzuspannen. Als möglicher Katalysator dieser Entwicklung dienen auch popkulturelle Phänomene. „Die Filmreihe ‚Fast & Furious‘ sowie Videospiele wie ‚Need for Speed‘ haben bei vielen jungen Menschen das Interesse an bestimmten Fahrzeugen geweckt“, sagt Brune. Insbesondere japanische Fahrzeuge der 90er-Jahre hätten an Bedeutung hinzugewonnen. Als Beispiel führt er den Toyota Supra der vierten Generation an, der in der „Fast & Furious“-Reihe eine prägnante Rolle spielt und zu einem gefragten Sammlerstück wurde.

Klar ist: Die Oldtimer-Szene muss genau solche Trends für sich nutzen, um lebendig zu bleiben und auch für junge Menschen attraktiv zu werden. Ganz ähnlich äußert sich auch DEUVET-Präsident Ekkehard Pott: „Der größte Feind der historischen Mobilität ist das Festhalten am Bekannten – nur mit der permanenten Anpassung an neue gesellschaftliche, technische und gegebenenfalls politische Rahmenbedingungen kann sich die Szene erfolgreich weiterentwickeln.“ (aum)


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Bilder zum Artikel

Toyota Supra (1993–2002).

Toyota Supra (1993–2002).

Photo: Auto-Medienportal.Net/Toyota


BMW 3er (E36).

BMW 3er (E36).

Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität


Mehrere Generationen VW Käfer vor dem Werk ins Wolfsburg.

Mehrere Generationen VW Käfer vor dem Werk ins Wolfsburg.

Photo: Volkswagen via Autoren-Union Mobilität


BMW 502 aus den 50er-Jahren.

BMW 502 aus den 50er-Jahren.

Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität