Praxistest Zero XB: Feld, Wald und Wiese rufen
27. Juni 2026 Von Jens Riedel
Es ist kein Geheimnis, dass die Beschränkung der L1e-Klasse auf 45 km/h eher kontraproduktiv ist und selbst von Verkehrssicherheitsexperten nicht als ideal angesehen wird. 50 km/h wären sinnvoller und den meisten Kleinkraftradfahrern 60 km/h noch lieber, wie es in der DDR erlaubt war. Nun, die Dinge sind, wie sie sind und für das elektrisch angetriebene Kleinkraftfahrzeug spricht zumindest technisch die deutlich stärkere Beschleunigung. Wer einmal einen direkten Vergleich macht, wird das sofort spüren. Im Fall der Zero XB – so viel schon einmal vorweg – hebt schon einmal das Vorderrad ab, wenn zum Start der Fahrgriff voll aufgerissen wird.
Optisch orientiert sich auch die kleinste Zero am Marktumfeld. Schnickschnack gibt es nicht. Nackter Rahmen und die darin steckende, größtenteils offen zur Schau gestellte Batterie sind hier gang und gäbe. Ein Lenker, eine Sitzbank und schmale Kotflügel – fertig ist die elektrisch angetriebene Kleinkraftrad-Enduro. Die Reduktion auf das Wesentliche spart Gewicht, erleichtert das ohnehin schon einfache Handling nochmals und erhöht die Reichweite.
Vom mächtigen Drehmoment beim Antritt war bereits die Rede. Dank dreier Fahrmodi lässt sich das Temperament aber in zivilere Bahnen lenken. Zum Wheelie neigt die kleine XB vor allem im Sport-Modus, kann aber in der Standardeinstellung beim Anfahren ebenfalls noch das Vorderbein lupfen, wenn der Griff blitzschnell bis zum Anschlag gedreht wird. Bei so viel Drehmoment ist die serienmäßige Traktionskontrolle keineswegs Spielerei, wirken direkt am Hinterrad doch bis zu 365 Newtonmeter. Dank der griffigen Bremsen bei überschaubarem Spitzentempo lässt sich mit der Zero da auch hervorragend Driften für Anfänger üben.
Aber auch im Eco-Modus geht es keineswegs im Schneckentempo voran und hängt die Zero immer noch jedes Moped mit Verbrennungsmotor beim Beschleunigen locker ab. Gewechselt werden die Fahrstufen ganz einfach und schnell über eine kleine Taste rechts am Lenker.
Die vier kW (5,7 PS) Nenn- bei 7,5 kW (10 PS) Peakleistung haben mit den lediglich 63 Kilogramm Fahrzeuggewicht leichtes Spiel – und der Fahrer ebenso. Die XB liegt gut in der Hand und lässt sich kinderleicht dirigieren. Das kommt dem Nutzer natürlich vor allem bei Geländefahrten zugute. Geländefahrten? Ja, es darf ruhig etwas mehr als der für den Fahrzeugverkehr freigegebene Feldweg sein. Größter Vorteil elektrischer Kleinkrafträder ist, dass sie kaum auffallen, wenn sie einmal außerhalb des öffentlichen Straßenverkehrs bewegt werden.
Wie wäre es mal mit einem Abstecher in den Wald? Das ist zwar auf den meisten Wegen verboten, aber da die Zero XB nahezu lautlos fährt, wird auch kaum jemand aus der Ferne auf das kleine Alltagsabenteuer aufmerksam. Und sollte dort oder auf anderen unerlaubten Pfaden doch einmal ein Fußgänger oder Radfahrer auftauchen, so wird natürlich das Tempo kurz gedrosselt und freundlich vorbeigefahren. Daran stört sich in der Regel niemand, denn zum einen wird ja kein Lärm gemacht und zum anderen sieht die XB ja kaum anders aus als ein E-MTB. Apropos: Mit 4600 Euro kann die Zero da auch preislich durchaus mithalten. Und die Bremshebel sind übrigens auch nicht größer als bei einem Pedelec.
Die XB ist auf jeden Fall ein echter Geländegänger. Bei einer Bodenfreiheit von 27 Zentimetern sind Vordergabel und das hintere Zentralfederbein voll einstellbar. Das geht ganz einfach per Hand. Warnblinker und Tempomat sowie ein doppelter USB-Anschluss und ein Reifendruckkontrollsystem gehören ebenso zur Ausstattung. Da verwundert es dann doch ein wenig, dass es keine Anzeige für den Ladevorgang gibt und der aktuelle Batteriestand nur bei betriebsbereitem Zustand im Display angezeigt wird. Die Menüführung im Display braucht etwas Gewöhnung: Der richtige Tastendruck zur Änderung einer Einstellung – etwa der drei Rekuperationsstufen – erschließt sich nicht auf Anhieb, sollte aber mit etwas Einarbeitung verinnerlicht werden. Zudem gibt es eine Parktaste, eine deaktivierbare Berganfahrhilfe und einen Rückwärtsgang – der im Zweifelsfall im Gelände durchaus nicht schaden kann. Gegen unbefugten Zugriff wird die Zero übrigens ganz klassisch mit einem Lenkradschloss gesichert.
Es liegt in der Natur der Sache, dass Kleinkrafträder – egal ob elektrisch oder mit Benzin betrieben – fast immer am Limit bewegt werden. Der herausnehmbare 14 Kilo schwere Akku der XB verbrauchte in unserem Fall für zwölf Kilometer Fahrt ein Fünftel seiner gespeicherten Energie. Mit 30 Prozent der Batteriekapazität kamen wir rund 20 Kilometer weit. Das deckt sich durchaus mit den Herstellerangaben, die je nach Fahrweise und Terrain zwischen 53 und 69 Kilometern liegen. Nachladen lassen sich in gut einer halben Stunde rund 20 Prozent neue Energie. Das passt ebenfalls – genannt werden zweieinhalb Stunden für eine Vollladung (0 bis 95 Prozent).
Die Zero XB eignet sich für den coolen Auftritt vor der Schule ebenso wie zur Entspannung auf der kleinen Feierabendrunde durchs Gehölz oder als „Beiboot“ für das Wohnmobil. Und vielleicht entdeckt sie ja auch der eine oder andere Jäger noch als ideales Fahrzeug für die nahezu lautlose Pirsch. (cec)
Daten Zero XB
Motor: elektrisch
Nennleistung: 4 kW / 5,7 PS
Drehmoment: 42 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h
Getriebe: var. Untersetzung
Antrieb: Kette
Reichweite: bis zu 69 km
Sitzhöhe: 832 mm
Gewicht: 63 kg
Zuladung: 98 kg
Bereifung: 2 x 70/100-19M/C
Preis: 4600 Euro
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Zero XB.
Photo: via Autoren-Union Mobilität
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Zero XB (mit herausgenommenen Akku).
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