Dethleffs stellt drei Caravan-Baureihen ein

Es knistert in der Erwin Hymer Group. Nachdem unlängst Bürstner bekanntgegeben hatte, die Wohnwagen-Fertigung 2027 einzustellen, zeigt sich jetzt auch Detheffs als Streichkandidat. Immerhin will sich die „Erfindermarke des Caravans“ (der Handelsreisende Arist Dethleffs hatte 1931 einen von ihm als „Wohnauto“ bezeichneten Caravan gebaut,) nicht völlig aus dem Geschäft mit den Wohnanhängern zurückziehen. Gestrichen werden aber die Baureihen Camper, Nomad und Beduin Scandinavia, erst im Modelljahr 2028 will Dethleffs wieder auf den Markt kommen, dann allerdings mit komplett überarbeiteten Modellen. Der Rückzug kommt überraschend, denn erst 2025 hatte der Hersteller alle drei Baureihen umfassend überarbeitet.

Bis auf Weiteres ist Dethleffs also nur noch mit Einsteiger-Serien mit niedrigen Preise präsent. Hierzu gehören die Modelle c‘joy, c'go und c'go up. Unangetastet bleibt das Portfolio der Reisemobile. Hier kann sich Dethleffs weiterhin als Vollsortimenter bezeichnen, hatte zuletzt sogar mit bezahlbaren Allterrain-Modellen punkten können.

Es ist nicht der erste Rückzug der Marke. 2019 hatte Dethleffs mit großem Aufwand den Lounge-Caravan Coco entwickelt und eingeführt, der aber in der Käufergunst keinen hohen Stellenwert erreichen konnte. Sang und klanglos verschwand er wieder vom Markt. Ähnlich glücklos war der Versuch, den Ford Transit Connet in seiner Hybridversion als Campervan einzuführen. Ob es an der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Automarke lag oder das Gewicht des Ausbaus einfach zu hoch war, ist ungewiss.

Die Zulassungszahlen waren bei Wohnwagen in den letzten Monaten eher bescheiden. In einem schwachen April gingen sie im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18 Prozent zurück. Der April war allerdings auch für die Reisemobile kein glücklicher Monat, sie verloren sogar 24 Prozent bei den Zulassungen. Bezogen auf den Jahresverlauf relativiert sich diese Schwäche der Camper jedoch, mit 29.730 Einheiten liegen sie aktuell 8,6 Prozent über dem sehr hohen Vorjahresniveau.

Das schwindende Interesse am Caravan rührt vermutlich auch von der steigenden Zahl von Elektroautos im Straßenverkehr her. Sie eigenen sich weitaus weniger gut als Zugfahrzeuge, ihre Reichweite sinkt im Anhängerbetrieb dramatisch. Hinzu kommt, dass die Ladesäulen meist nicht genutzt werden können, ohne den Wohnwagen abzukuppeln. Was auch auf Raststätten an Autobahnen nicht unproblematisch ist. Technische Innovationen konnten nicht erfolgreich durchgesetzt werden. So endete das Projekt von Audi und Dethleffs, einen Wohnwagen mit eigenem Antrieb von einem Elektroauto von Bayern bis zum Gardasee zu ziehen, ohne nachzuladen, ohne Pannen, wurde aber nicht weiter verfolgt. (aum)


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Bilder zum Artikel

Dethleffs Nomad.

Dethleffs Nomad.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger


Prototyp: Dethleffs E-Home Coco mit eigenem Elektroantrieb (2021).

Prototyp: Dethleffs E-Home Coco mit eigenem Elektroantrieb (2021).

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger


Dethleffs Coco Lounge.

Dethleffs Coco Lounge.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger