Praxistest Zero LS1: Der Motorradpionier geht unter die Rollerfahrer
6. Juni 2026 Von Jens Riedel
Optisch sticht der erste Zero-Scooter nicht durch besonders extravagante Designmerkmale hervor. Er ist modern und flott gestaltet und hebt sich am ehesten durch das etwas verkürzte Heck mit dem an der Schwinge montierten Kotflügelausleger samt Kennzeichenhalter sowie den Vorderkotflügel in Klavierlackoptik von anderen Modellen ab. Doch letztlich zählen ohnehin die inneren Werte.
Vorweg die Papierdaten: Der Motor des LS1 leistet knapp 8,5 kW (rund 11,6 PS) und liefert 51 Newtonmeter Drehmoment. Der Hersteller unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen dauerhafter Höchstgeschwindigkeit (85 km/h) und maximaler Höchstgeschwindigkeit (99 km/h). Die Reichweite wird mit rund 110 Kilometern bei Standard-Batteriebestückung angegeben. Dieser Wert findet sich in der Bedienungsanleitung allerdings unter der Prämisse „langsames Pendeln“.
Der Zero LS1 kommt serienmäßig mit zwei herausnehmbaren Akkus daher, die jeweils 11,8 Kilogramm wiegen und im Fahrzeugboden untergebracht sind. Wer mehr Reichweite möchte, kann eine dritte Batterie ordern. Die ksotet allerdings 1185 Euro und findet dann statt waagerecht im Fußraum senkrecht im Staufach unter der Sitzbank Platz. Dort befindet sich auch die Steckdose zum internen Laden. Merkwürdigerweise liegt die Aussparung für das Stromkabel auf der gegenüberliegenden Seite. Das kostet Kabellänge und rückt das Ladegerät sehr nah an den Roller. Auch der Weg zur Haussteckdose fällt eher knapp aus. Hier wünschte man sich etwas mehr Spielraum.
Gleiches gilt für die Fußeinbuchtungen der Verkleidung. Sie fallen recht kurz aus. Der Fußraum an sich ist jedoch ausreichend groß. Auch die Dimensionen der Sitzbank gehen in Ordnung. Der Stauraum darunter teilt das Schicksal vieler anderer kompakter Motorroller: Nicht jeder Helm passt hinein. In unserem Fall reichte es gerade noch für einen Integralhelm der Größe M. Mit einem Jethelm ist man in der Regel aber auch hier auf der sicheren Seite – zumindest, wenn es um das Verstauen geht. Voraussetzung ist natürlich, dass der Platz nicht bereits vom dritten Akku belegt wird. Dieser sorgt – logischerweise – für rund ein Drittel mehr Reichweite.
Allerdings lassen sich zahlreiche Rechenbeispiele aufmachen: Wird der Zero LS1 überwiegend im Stadtverkehr genutzt oder geht es regelmäßig auch einmal über die Autobahn? Welcher Fahrmodus wird bevorzugt? Eco, Standard oder Sport? Und wie stark wird Bremsenergie zurückgewonnen?
Doch der Reihe nach. Der LS1 verfügt über drei Rekuperationsstufen, die etwas umständlich über das nicht sonderlich intuitiv bedienbare Menü des 5-Zoll-TFT-Bildschirms eingestellt werden. Wirklich bemerkbar macht sich vor allem die stärkste Einstellung. Sie sorgt beim Schließen des Fahrgriffs im unteren Geschwindigkeitsbereich für eine alltagstaugliche Verzögerung im fließenden Verkehr. Hier hätte die Wirkung jedoch durchaus stärker ausfallen dürfen, etwa wenn man an die Can-Am Pulse denkt.
Weitaus einfacher lassen sich die Fahrprogramme wechseln. Am rechten Lenkerende befindet sich ein Modusschalter. Die drei Stufen sind ausreichend differenziert und machen sich vor allem durch die unterschiedlich starke Beschleunigung sowie die ohne Anstrengung jeweils erreichbare Endgeschwindigkeit bemerkbar. Immerhin geht es auch im Eco-Modus problemlos mit mehr als 80 km/h voran. Der Standard-Modus liefert genau das, was man von einem Elektroleichtkraftroller erwarten darf, während es im Sport-Modus tatsächlich sehr dynamisch zur Sache geht.
Wer situationsgerecht zwischen den Fahrstufen wechselt, darf im Alltag mit zwei Akkus rund 80 Kilometer Reichweite erwarten, mit dem dritten entsprechend mehr. So standen nach 57 Kilometern noch 50 Prozent Batteriekapazität zur Verfügung, nach 75 Kilometern waren es noch 30 Prozent. Das größte Manko des LS1 besteht darin, dass das Display lediglich die verbleibende Akkukapazität anzeigt, nicht jedoch die prognostizierte Restreichweite in Kilometern.
Der Zero besticht durch seine Agilität und sein gutes Handling. Der mit einem 14-Zoll-Vorderrad ausgestattete E-Scooter vermittelt insbesondere in Schräglage überraschend viel Fahrspaß – selbst im Standard-Modus. Dazu tragen auch die Pirelli-Diablo-Rosso-Reifen ihren Teil bei. In Linkskurven kann der Seitenständer durchaus schon einmal Kontakt mit dem Asphalt aufnehmen. ABS ist ebenso an Bord wie eine abschaltbare Traktionskontrolle. Die Bremsen packen ordentlich zu, in den Regelbereich kommt das Antiblockiersystem jedoch allenfalls am Hinterrad. Es sitzt in einer klassischen Kastenschwinge und wird von einem wartungsarmen Riemen angetrieben.
Für den Alltagsnutzen verfügt der LS1 neben dem Staufach unter der Sitzbank über einen Taschenhaken sowie eine leider recht kleine offene Ablage auf der linken Seite mit USB-Anschluss. Die Bedieneinhieten am Lenker sind hinterleuchtet. Einen Gepäckträger gibt es serienmäßig nicht. Dafür sind Tempomat, Rückwärtsgang und Hauptständer an Bord.
Der eine oder andere kleine Kritikpunkt relativiert sich am Ende, denn der Preis von 5148 Euro darf als günstig gelten. Das Pendlerpaket mit Topcase und Windschutzscheibe gibt's für knapp 390 Euro.Und für 539 Euro gibt es als Zubehör noch ein Ladegrät mit 1500 Watt statt 800 Watt Leistung. (cec)
Daten Zero LS1
Antrieb: elektr., Riemen
Leistung: 8,4 kW / 11,6 PS
Max. Drehmoment: 51 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 99 km/h
Batteriekapazität: 3,7 kWh
Reichweite: ca. 100 km
Sitzhöhe: 780 mm
Gewicht: 132 kg
Zuladung: 150 kg
Bereifung: 110/80-14 (v.), 130/60-13 (h.)
Preis: 5185 Euro
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Zero LS1.
Photo: Zero via Autoren-Union Mobilität
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Zero LS1: Im Staufach unter der Sitzbank kann bei Bedarf noch eine dritte Batterie angeschlossen werden.
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