Kommentar: Die nächste Sau
3. Juni 2026 Von Jens Riedel
Der Skandal liegt bei der Politik, die selbst für die nun an den Pranger gestellte Messmethode verantwortlich gewesen ist und auch noch Studien für eine Frage in Auftrag gibt, die allein der gesunde Menschenverstand schon beantwortet. Ein zwei Tonnen schweres Auto mit über 200 PS kann nun einmal bei üblichem Gebrauch nicht auf einen Durchschnittsverbrauch von unter anderthalb Litern kommen. Das schreiben Motorjournalisten in ihren Artikeln auch schon seit Jahren. Unterm Strich, das wissen die Fachleute, verbraucht ein Plug-in-Hybrid im Normalfall mindestens genauso viel Kraftstoff wie ein Diesel.
Dass, wie „Frontal“ süffisant feststellt, mindestens sechs Bundesminister und -ministerinnen Plug-in-Hybride als Dienstwagen nutzen, hat seinen Grund: Auf Fahrten innerhalb Berlin dürfte es weitgehend elektrisch vorwärts gehen, bei der längeren Reise raus aus der Hauptstadt sorgt der Verbrenner für den Vortrieb, ohne dass alle 100 Kilometer eine Ladesäule angesteuert werden muss. Dass die Industrie die Modelle als umweltfreundlich bewerben kann, ist nicht den Autoherstellern anzulasten, sondern dem Gesetzgeber selbst. Gleiches gilt für die Einbindung des speziellen Antriebskonzepts in die aktuelle E-Auto-Förderung.
Nach dem vermeintlich illegalen Vertrieb von reinen Motorsport-Enduros für den Straßenverkehr wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Das zeigt zweierlei. Erstens: Politik hat oft den Bezug zur Realität verloren und folgt vielfach – oh, Wunder – Lobbyinteressen. Zweitens: Fachjournalisten bleiben als sachliches Korrektiv auch gegenüber Kollegen wichtig, die allzu gerne den nächsten Skandal wittern. (cec)
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