Die KI fährt mit
29. Mai 2026 Von Martin Wittler
Chat GPT, Claude, Copilot – KI-Chatbots gehören für viele Menschen mittlerweile zum Alltag. Und auch in der Autoindustrie haben diese Systeme längst Einzug erhalten. Zuletzt gab der schwedische Hersteller Volvo bekannt, künftig Gemini in seine Fahrzeuge zu integrieren. Noch im Laufe dieses Jahres soll das Google-KI-System den bisherigen Sprachassistenten Google Assistent ersetzen. Welche Vorteile das bringt? Nutzer können dann, so heißt es, auf Wunsch Details über das angesteuerte Ziel erhalten, oder sie können Nachrichten vor dem Versenden in eine andere Sprache übersetzten lassen.
Volvos KI-Einsatz im Cockpit ist keineswegs ein Einzelfall. KI-unterstützte Sprachassistenten gehören schon längerem bei diversen Herstellern zur Standardausstattung. Volkswagen, DS Automobiles oder Mercedes-Benz etwa setzen auf Chat GPT in ihren neuen Fahrzeugen. BMW hat sich auf den Amazon-Dienst Alexa+ festgelegt, der erstmals beim iX3 zum Einsatz kommt. Diese Systeme reagieren nicht mehr nur auf feststehende Sprachbefehle, sondern auf jedwede sprachliche Äußerung. Mit Alexa+ etwa soll ein natürlicher Dialog möglich sein. Der chinesische Elektroautohersteller Nio hat seiner intelligenten Sprachsteuerung sogar ein Gesicht gegeben: „Nomi“, ein kleines Computerwesen mit Bildschirmgesicht und Minimal-Mimik sitzt in den Fahrzeugen mittig auf dem Armaturenbrett.
Derartige Sprachsysteme sind jedoch nur die Spitze des KI-Eisbergs. Denn auch viele weitere Merkmale moderner Fahrzeuge wären ohne künstliche Intelligenz kaum denkbar. Das beginnt schon bei der Entwicklung und Produktion – und zeigt sich natürlich vor allem auch bei den Fahrzeugfunktionen. Der Volkswagen-Konzern gab bekannt, dass für Entwicklung, Produktion, Cybersicherheit und den konzerninternen Wissensaustausch aktuell rund 1200 KI-Systeme im Einsatz sind, hunderte weitere seien in der Planung.
Und die Autos? Die erkennen dank KI unter anderem Verkehrszeichen und Straßenschilder, passen das Tempo automatisch an vorausfahrende Fahrzeuge an, detektieren Parkplätze und übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen das eigentliche Fahren. Im Laufe der vergangenen Jahre verbesserte die Industrie solche Fahrassistenzsysteme stetig. 2013 brachte BMW beim Elektro-Kompaktwagen i3 einen der ersten Abstandsregeltempomaten auf den Markt, der ausschließlich mit Kameratechnik arbeitete. Ohne mitdenkende Software, die im Hintergrund läuft, wäre diese Technologie undenkbar gewesen.
Kamerabasierte Assistenzsysteme werden mittlerweile von eigentlich allen großen Herstellern in ihren Fahrzeugen eingesetzt. Die Einsatzgebiete wurden dabei stetig ausgebaut. Das automatisierte Fahrsystem Full Self Driving (FSD) des US-Elektroautobauers Tesla, das kürzlich in den Niederlanden erstmals für europäische Straßen freigegeben wurde, setzt ausschließlich auf Kameras mit KI-Software um die automatisierten Fahrfunktionen der Tesla-Modelle zu realisieren. Ultraschall- und Radarsensoren, die von fast allen anderen Herstellern zusätzlich zu den Kameras genutzt werden, kommen bei Tesla gar nicht zum Einsatz. Tesla behauptet, dadurch sogar einen Sicherheitsgewinn zu erzielen. Begründung: Die Airbags in Tesla-Modellen könnten dank der mitdenkenden KI bis zu 70 Millisekunden schneller auslösen als nicht-kamerabasierte Systeme.
Es ist ein weiteres Beispiel, das zeigt: Künstliche Intelligenz ist ein Game-Changer für die Automobilbranche. Das hat auch der chinesische Hersteller Xpeng erkannt. Bei der Europapremiere des Modells P7+ im Januar dieses Jahres bezeichnete das Unternehmen die elektrische Limousine als das „erste KI-definierte Auto der Welt“. Untermauert wurde diese Aussage mit zahlreichen intelligenten Funktionen des Stromers; unter anderem mit dem „AI Battery Doctor“. Dahinter verbirgt sich eine KI, die permanent sämtliche Akkuzellen überwacht und so Überhitzung und potenzielle Ausfälle einzelner Zellen verhindert. Die Lebensdauer der Fahrzeugbatterie, so die Aussage von Xpeng, könne durch die penible Kontrollfunktion um bis zu 30 Prozent verlängert werden.
Überhaupt haben chinesische Hersteller das Thema KI längst als Vermarktungschance erkannt. Der Smartphone-Hersteller Xiaomi etwa, der mittlerweile in China auch Elektroautos erfolgreich baut und verkauft, bewirbt seinen Sportwagen SU7 offensiv mit dessen KI- und Computerleistung. Bei neueren Versionen wurde die Rechenleistung der Rechner an Bord deutlich erhöht – von bislang 84 auf nun 700 TOPS. Die Abkürzung steht für „Tera Operations per Second“, also eine Billion Rechenoperationen pro Sekunde. Solche Hochleistungsrechner gelten als Voraussetzung für moderne KI-Funktionen und automatisierte Fahrassistenzsysteme.
Klar ist auch: All diese KI-Funktionen basieren auf erhobenen, teils persönlichen Daten. Diese Infos wiederum werden an unterschiedliche Dritte weitergereicht. Autofahrerinnen und -Fahrer müssen sich also bewusst sein, dass Anfragen an Chat GPT mitunter auf Servern in den USA landen. Der Einsatz von KI bringt somit auch dem Thema Datenschutz mehr Bedeutung.
Künstliche Intelligenz wird künftig noch wichtiger werden. Insbesondere dann, wenn es um das autonome Fahren geht. In Deutschland sind bislang nur hochautomatisierte Systeme von BMW und Mercedes-Benz zugelassen, die für bestimmte Szenarien das Fahren auf Autonomie-Level 3 ermöglichen. Dann darf der Fahrer oder die Fahrerin die Hände vom Lenkrad nehmen, die Verantwortung für das Fahren geht auf den Fahrzeughersteller über. Voll autonome Fahrzeuge, die nicht mal mehr ein Lenkrad an Bord haben und das Fahren auf Level 5 ermöglichen, dem höchsten Grad des autonomen Fahrens, sind allerdings noch Zukunftsmusik. Klar ist jedoch: KI wird für Entwicklung und Betrieb solcher Fahrzeuge eine entscheidende Rolle spielen. (cec)
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Xpeng P7+: Der chinesische Hersteller bezeichnet die elektrische Limousine als das „erste KI-definierte Auto der Welt“.
Photo:
Volvo mit Gemini von Google.
Photo: Volvo via Autoren-Union Mobilität
BMW iX3.
Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität
Alexa im BMW iX3.
Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität
Volkswagen nutzt Chat GPT in seinen Fahrzeugen
Photo: VW via Autoren-Union Mobilität
Citroën hat Chat GPT im Infotainmentsystem.
Photo: Stellantis via Autoren-Union Mobilität
DS Automobiles integriert Chat GPT in seine Sprachsteuerung Iris.
Photo: Stellantis via Autoren-Union Mobilität
Tesla Model Y.
Photo: Tesla via Autoren-Union Mobilität
Xiaomi SU7.
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