Elektroauto und Wohnwagen kommen sich näher

Elektroauto und Wohnwagen, kann das funktionieren? Und ob. Denn erstens fahren immer mehr E-Modelle mit ausreichenden Anhängelasten vor. Und zweitens reagieren auch die Caravanhersteller: Mit neuen, schlanken und leichten Wohnwagen, die speziell für vollelektrische Zugfahrzeuge entwickelt werden.

Elektroautos als Zugfahrzeuge für Anhänger aller Art – das war vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar. Inzwischen jedoch hat sich die Situation grundlegend geändert: Nahezu jedes neue E-Modell bietet die Option auf eine Anhängerkupplung. Der ab September auf den Markt kommende Elektro-Kleinwagen VW ID Polo etwa darf gebremste Anhänger bis zu einem Gewicht von 1200 Kilogramm ins Schlepp nehmen, und dank einer Stützlast von 75 kg ist auch ein Fahrradträger, der auf der Anhängerkupplung montiert wird, kein Problem. Stattliche Elektro-SUV wie etwa der BMW iX können sogar Anhänger bis 2,5 Tonnen ziehen und bieten 100 Kilo Stützlast.

Schon diese Bespiele zeigen: Elektroauto und Anhängerbetrieb, das ist längst kein Widerspruch mehr. Aus technischer Sicht leuchtet das unmittelbar ein. Ein elektrischer Antrieb entwickelt bereits aus dem Stand heraus das maximale Drehmoment, das Beschleunigen funktioniert linear und vollkommen ruckfrei und aufgrund des Akkus im Unterboden verfügen E-Fahrzeuge allein wegen ihres höheren Gewichts für eine satte, sichere Straßenlage. Elektroautos sind also ideale Zugfahrzeuge für Bootstrailer, Pferdeanhänger oder Wohnwagen.

Allerdings trifft auf Verbrenner und auf E-Autos gleichermaßen zu, dass sie im Anhängerbetrieb mehr Energie verbrauchen. Für Elektrofahrzeuge bedeutet das: Die Reichweite sinkt. Auf kurzen und mittleren Strecken ist das unproblematisch, bei einer Urlaubsreise mit Wohnwagen im Schlepp jedoch hemmt eine limitierte Reichweite das Vorwärtskommen durchaus. Als Faustregel gilt, dass ein schwerer Caravan auf der Autobahn die Reichweite in etwa halbiert.

Außerdem kann auch das Laden etwas länger dauern, denn an vielen Ladesäulen kann man nicht mit einem Gespann vorfahren, sondern muss zunächst den Wohnwagen abkoppeln, ehe das Auto zum Laden in Position gebracht werden kann. Allerdings gibt es gerade entlang der Autobahnen zunehmend Schnellladeanlagen, die so beschaffen sind, dass man dort inklusive Anhänger am Haken laden kann. Entscheidend für eine möglichst kurze Ladepause ist natürlich auch eine möglichst hohe Schnellladeleistung. Wer also plant, mit dem E-Auto einen Wohnwagen zu ziehen, sollte ein Fahrzeug mit einer Gleichstrom-Ladeleistung (DC) von mindestens 150 kW wählen.

Wie stark die Reichweite im Anhängerbetrieb schrumpft, hängt vom Gewicht des Wohnwagens ab, noch stärker aber vom Luftwiderstand, der mit steigender Geschwindigkeit einen immer stärkeren Einfluss auf den Energieverbrauch des Zugfahrzeugs hat. Das ist der Grund, weshalb Wohnwagenhersteller zunehmend Caravans anbieten, die für elektrische Zugfahrzeuge optimiert sind. Und das bedeutet: Sie sind vergleichsweise leicht, vor allem aber auch möglichst aerodynamisch gestaltet.

Klar, das Gewicht sinkt, je leichtere Materialien im Wohnwagen verbaut sind und je reduzierter die Ausstattung ist. So gibt es beispielsweise Caravans, die ohne Gasanlage auskommen, weil sie bei Bedarf den Stromspeicher des E-Autos anzapfen und so Kühlschrank, Beleuchtung, Heizung oder auch den Herd im Wohnabteil elektrisch betreiben. Die Firma Knaus hat mit dem Modell Yaseo ein solches Modell im Programm, der als „erster Caravan für E-Mobilität“ beworben wird. Zudem wurde die Stirnfläche des Wohnwagens verkleinert und das Gewicht auf 913 Kilogramm oder 1193 Kilogramm gesenkt, je nach dem, ob es sich um das kleinere Modell mit zwei, oder die größere Variante mit bis zu fünf Schlafplätzen handelt.

Andere Hersteller verfolgen ähnliche Konzepte. Die Modelle Caravelair Alba 400 (Gewicht 960 kg) oder der Adria Avia Lite (Gewicht 660 kg) sind nicht nur besonders leicht, sondern auch mit 2,10 und 2,09 Metern Breite deutlich schlanker und damit windschlüpfiger als die meisten Standardwohnwagen, die oft 2,30 Meter oder 2,50 Meter breit sind. Und es geht noch aerodynamischer.

Anfang des Jahres zeigte der deutsche Hersteller Dethleffs die Caravan-Studie c.fold, die mit 1,90 Metern Breite nicht nur äußerst schlank, sondern mit einer Höhe von lediglich 1,65 Meter in fahrbereitem Zustand auch extrem flach geraten ist. Der Wohnwagen duckt sich sozusagen in den Windschatten des Zugfahrzeugs. Der Trick dabei: Das Dach kann per Knopfdruck ausgefahren oder abgesenkt werden, je nach dem, ob der Wohnraum mit einer raffinierten, einklappbaren Möblierung genutzt wird, oder ob es auf große Fahrt geht. Dethleffs schätzt, dass durch die clevere Faltmechanik die Reichweite des Zugfahrzeugs erheblich gesteigert werden kann im Vergleich zu einem herkömmlichen Caravan.

Während die Wohnwagenhersteller also an Modellen tüfteln, die sich immer stärker dem Wandel hin zur Elektromobilität anpassen, werden auch die Elektroautos selbst immer leistungsfähiger und damit als Zugfahrzeuge noch unkomplizierter. Das liegt an neuen Akkuvarianten, die mehr Energie speichern können, an stetig effizienter werdenden Elektroantrieben sowie an speziellen Rekuperationssystemen, die sich dem höheren Gesamtgewicht eines Gespanns bei der Energierückgewinnung optimal anpassen können. (cec)


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Bilder zum Artikel

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Kia EV 6 mit einem Knaus Yaseo 340 PX).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Kia EV 6 mit einem Knaus Yaseo 340 PX).

Photo: Knaus via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Kia EV 6 mit einem Knaus Yaseo 500 DK).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Kia EV 6 mit einem Knaus Yaseo 500 DK).

Photo: Knaus via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Kia EV 6 mit einem Knaus Yaseo 500 DK).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Kia EV 6 mit einem Knaus Yaseo 500 DK).

Photo: Knaus via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier die Faltcarvan-Studie c.fold von Dethleffs).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier die Faltcarvan-Studie c.fold von Dethleffs).

Photo: Dethleffs via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser hier die Faltcarvan-Studie c.fold von Dethleffs).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser hier die Faltcarvan-Studie c.fold von Dethleffs).

Photo: Dethleffs via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser hier die Faltcarvan-Studie c.fold von Dethleffs).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser hier die Faltcarvan-Studie c.fold von Dethleffs).

Photo: Dethleffs via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser hier die Faltcarvan-Studie c.fold von Dethleffs).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser hier die Faltcarvan-Studie c.fold von Dethleffs).

Photo: Dethleffs via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Across Aventour 320 CD).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Across Aventour 320 CD).

Photo: Hersteller via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Across Aventour 320 CD).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Across Aventour 320 CD).

Photo: Hersteller via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Hobby Beachy).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Hobby Beachy).

Photo: via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Hobby Beachy 420).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Hobby Beachy 420).

Photo: Hobby via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Hobby Beachy 420).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Hobby Beachy 420).

Photo: Hobby via Autoren-Union Mobilität


Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Fendt Next 380).

Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für den Wohnwagen – das funktioniert dank Fortschritten auf beiden Seiten immer häufiger und besser (hier ein Fendt Next 380).

Photo: via Autoren-Union Mobilität