Gebrauchte Elektroautos – darauf müssen Sie beim Kauf achten
24. April 2026 Von Jürgen Pander
Wer möglichst umweltschonend unterwegs sein möchte, dabei aber nicht auf ein eigenes Auto verzichten kann oder mag, fährt mit einem Elektroauto in jedem Fall sauberer als in einem Verbrenner. Und nochmals nachhaltiger ist es, ein gebrauchtes E-Modell zu fahren, denn dessen Umweltbilanz wird mit zunehmender Nutzung immer besser. Abseits solcher grundsätzlichen Überlegungen stellen sich jedoch zahlreiche Fragen: Wie ist das mit der Reichweite? Auf welche Details sollte man achten? Und was taugt ein gebrauchter Akku? Die wichtigsten Informationen und Tipps finden Sie in der folgenden Übersicht.
Gibt es überhaupt ein ausreichendes Angebot an gebrauchten Elektroautos?
Eindeutige Antwort: Ja. Auf den einschlägigen Gebrauchtwagenportalen im Internet stehen tausende E-Fahrzeuge im Verkauf. Bei autoscout24.de etwa sind es mehr als 55.000 gebrauchte E-Autos, bei mobile.de sogar mehr als 71.000. Gibt man als Preisobergrenze 15.000 Euro ein, dann schrumpft die Auswahl zwar erheblich, es bleiben aber immer noch mehr als 2900 Angebote bei autoscout24.de und mehr als 5400 Offerten bei mobile.de übrig. Es sollte also für wirklich jeden Anspruch, Zweck und Geschmack etwas dabei sein.
Was muss man generell beachten, wenn man nach einem gebrauchten E-Auto sucht?
In jedem Fall gilt, dass die Betriebskosten für ein E-Auto – vor allem auch durch die zuletzt erheblich gestiegenen Spritpreise – niedriger sind als für ein Verbrennermodell. Das trifft umso mehr zu, wenn man das E-Auto zuhause laden kann, womöglich sogar mit Solarstrom vom eigenen Dach. Zudem haben Elektroautos weniger Verschleißteile, über den Zustand der Kupplung oder der Auspuffanlage muss man sich nicht kümmern – ein E-Auto verfügt weder über das eine, noch das andere. Dafür jedoch gibt es ein Bauteil, das besondere Beachtung verdient: der Akku.
Worauf muss man bei einem gebrauchte E-Auto-Akku achten?
Ein Akku altert, das kennt man vom Mobiltelefon. Beim Elektroauto bedeutet das: Nach einer gewissen Zeit und Beanspruchung lässt die Ladekapazität des Akkus nach, und damit sinkt die Reichweite. Zugleich gibt es inzwischen etliche Studien, in denen nachgewiesen wurde, dass die Leistungsfähigkeit der Antriebsbatterien weit weniger nachlässt als ursprünglich befürchtet. Der Automobilclub ADAC hat folgende Faustregel formuliert, um eine vernünftige Akkukapazität bei gebrauchten E-Autos zu ermitteln: Nach 50.000 Kilometer Laufleistung sollte die Akkukapazität (Fachbegriff: SoH = state of health, deutsch: Gesundheitszustand) bei mindestens 92 Prozent liegen. Nach 100.000 Kilometer Laufleistung bei mindestens 88 Prozent, nach 150.000 Kilometer bei 84 Prozent und nach 200.000 Kilometer bei 80 Prozent.
Wie kann man den gebrauchten Auto-Akku prüfen lassen?
Wenn ein Elektroauto regelmäßig gewartet wurde, liegen von diesen Kontrollen auch jeweils Prüfprotokolle der Batterie vor, die von der Fachwerkstatt erstellt werden. Diese Prüfprotokolle sollten sich Kaufinteressierte vom Verkaufenden zeigen lassen. Zudem bieten TÜV, Dekra oder auf Akkutests spezialisierte Unternehmen wie Aviloo unabhängige Tests inklusive Zertifikat für gebrauchte E-Auto-Akkus an (Kosten: ca. 100 Euro).
Was gibt es beim Akku noch zu beachten?
Um zu entscheiden, ob das gebrauchte E-Auto das passende sein könnte, sollte man die eigene Fahrzeugnutzung analysieren und sich fragen: Welche Strecken sollen ohne Ladestopp gefahren werden? Wie und wo kann der Auto-Akku geladen werden? Wer etwa täglich nicht mehr als 50 Kilometer fährt und zuhause laden kann, braucht sich über die Verlässlichkeit des Akkus nicht zu sorgen – das schaffen auch altgediente E-Autos. Wer wiederum mindestens 250 Kilometer am Stück fahren will, muss ein wenig rechnen und die Auto-Auswahl darauf abstimmen. Liegt der Verbrauch eines E-Autos beispielsweise bei 20 kWh je 100 Kilometer, verbraucht der Wagen auf 250 Kilometer Fahrstrecke rund 50 kWh. Folglich sollte der gebrauchte Akku über eine Ladekapazität von mindestens 60 kWh oder mehr verfügen, damit das problemlos funktioniert. Und ja, dann wird es entsprechend teurer, denn die Batterie ist nun einmal das teuerste Bauteil eines Elektroautos.
Welche Ladeleistung ist empfehlenswert?
Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Grundsätzlich gilt: E-Autos können mit Wechselstrom (AC, langsam) und Gleichstrom (DC, schnell) geladen werden. 11 kW AC-Ladeleistung sind bei den meisten Elektroautos Standard, damit lässt sich pro Stunde Energie für etwa 50 bis 70 Kilometer laden; bis der Akku komplett geladen ist, dauert es mehrere Stunden. DC-Laden geht deutlich schneller, oft ist nach rund einer halben Stunde der Akku wieder zu 80 Prozent geladen. Über welche konkrete Ladeleistung das passende E-Auto verfügen sollte, hängt also davon ab, ob der Akku meist zuhause über Nacht geladen werden kann, oder ob regelmäßig auf längeren Strecken am Schnelllader geladen werden soll.
Was darf auf keinen Fall vergessen werden?
So wichtig bei einem gebrauchten E-Auto transparente Informationen über Akkuzustand, Ladeleistung und Reichweite sind, so wichtig ist es ebenso, die klassischen Regeln für den Gebrauchtwagenkauf unbedingt zu befolgen. Das bedeutet: Fragen sie präzise nach der Historie des Fahrzeugs, erkundigen sie sich nach Reparaturen und Unfällen. Schauen sie sich das Serviceheft an und achten sie auf eine lückenlose Wartung des Wagens – das ist wesentlich, um später etwaige Garantieansprüche geltend machen zu können. Prüfen Sie das Auto eingehend und – hier gibt es keine Kompromisse – bestehen sie auf einer ausführlichen Probefahrt.
Und wenn das passende E-Auto gefunden ist?
Dann sollten sie noch überprüfen, ob ein funktionierendes Ladekabel im Fahrzeug vorhanden ist. Checklisten für das Begutachten eines Gebrauchtautos sowie Muster-Kaufverträge für Elektroautos gibt es im Internet zum Herunterladen. (cen)
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