Interview Johannes Brandenburger: „Unser Schwerpunkt ist die Vielfalt“
7. April 2026 Von Frank Wald
Herr Brandenburger, wie sieht die Wettbewerbssituation von GWM in Deutschland aus?
Der deutsche Markt ist extrem kompetitiv. Unser Ziel ist es, behutsam und kontinuierlich zu wachsen. Zentrale Faktoren sind dabei ein starkes Händlernetz, wettbewerbsfähige Preise und ein überzeugendes Produktportfolio. Wir sehen uns hier vor allem im Wettbewerb mit anderen Importeuren, auch aus China.
Viele chinesische Hersteller setzen auf reine Elektromobilität. GWM verfolgt offensichtlich eine andere Strategie?
Wir sehen uns nicht nur als Elektromarke. Unser Schwerpunkt ist die Vielfalt. Die Elektromobilität ist zwar ein signifikanter Bestandteil, aber wir beschränken uns nicht darauf. Wir bieten bewusst alternative Antriebstechnologien an, die es Kunden erlauben, entsprechend ihrer Bedürfnisse und Budgets zu wählen. Ob Verbrenner, Plug-in-Hybride oder elektrische Fahrzeuge, wir überlassen dem Kunden die Entscheidungsfreiheit. Gerade durch die neue Modelllinie HAVAL sprechen wir unterschiedliche Zielgruppen an und positionieren uns gleichzeitig in einem noch breiteren Marktsegment. So können wir verschiedene Präferenzen bedienen, sei es im Premiumsegment wie bei WEY, bei vollelektrischen Fahrzeugen wie bei ORA, oder im preisbewussten Bereich wie bei HAVAL.
Tatsächlich kommen die beiden neuen Modelle H6 und Jolion Pro zu Kampfpreisen auf den deutschen Markt?
Der Preis ist natürlich ein Schlüsselfaktor, jedoch genauso wichtig ist das Verhältnis von Preis und Leistung. Wir bieten schon in der Basisversion eine hohe Ausstattung an, was uns im Wettbewerb Vorteile verschafft. Unser Ziel ist es, dem Kunden ein attraktives Angebot zu machen, das nicht nur preislich überzeugt, sondern auch durch Qualität und Ausstattung.
Was bedeuten die Modellbezeichnungen H6 oder Jolion Pro eigentlich?
Die Modellnamen werden vom Hersteller vorgegeben und sind weltweit einheitlich. Es gibt keine spezielle Bedeutung hinter den Namen. Wir konzentrieren uns vielmehr darauf, das Fahrzeug selbst und die Marke klar zu positionieren. Die Struktur, die jetzt unter der Dachmarke GWM gegeben ist, hilft uns dabei, besser und verständlicher zu kommunizieren.
Stichwort Dachmarke: Nach dem Start mit Einzelmarken rücken Sie nun die Hauptmarke GWM stärker in den Fokus?
Das war eine bewusste und strategische Entscheidung. Ursprünglich hatten wir mit ORA und WEY zwei parallele Marken gestartet. Die Bündelung unter der Dachmarke GWM gibt uns jetzt eine höhere Flexibilität, neue Modelllinien zu integrieren und unsere Positionierung zu optimieren. Die klare Struktur hilft uns auch in der internen Organisation und im Marktauftritt.
Wie sehen Sie GWM in Deutschland denn im Vergleich zu anderen Herstellern?
Wir konkurrieren hauptsächlich mit anderen Importeuren und chinesischen Herstellern. Gleichzeitig sehen wir insbesondere für die Fahrzeuge der Modelllinie HAVAL auch Marken wie Dacia als relevante Wettbewerber, insbesondere mit ihrem starken Fokus auf Preis-Leistungs-Verhältnisse. Mit unseren vielseitigen Fahrzeugen können wir jedoch einem breiteren Publikum gerecht werden und Kunden ansprechen, die eine qualitativ hochwertige Alternative suchen.
Welche weiteren Modelllinien aus China wollen Sie nach Deutschland bringen?
Das hängt stark von der Analyse des Marktes und den Bedürfnissen der Kunden ab. Wir möchten sicherstellen, dass die Ergänzung unseres Portfolios sinnvoll ist und klare Differenzierung bietet. Es gibt Möglichkeiten, aber wir können aktuell keine weiteren Marken oder Modelllinien konkret ankündigen. (aum)
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