Praxistest La Strada Regent E 4x4: Geländetaugliche Beziehungskiste
5. April 2026 Von Michael Kirchberger
Im 5,93 Meter langen Regent E auf Basis des Mercedes Sprinter sind die Fußenden der Liegeflächen variabel, so dass sie tagsüber zusammen mit einem soliden Tisch als gemütliches Esszimmer genutzt werden können. Nachts dagegen taugen sie mit Maßen von 2 und 1,85 mal 0,8 Meter als komfortable Betten und der Partner wird beim nächtlichen Toilettenbesuch nicht gestört, was der Harmonie in der Beziehung förderlich ist.
Die Standard-Nasszelle mit Kassetten-WC, Klappwaschbecken und Dusche bleibt hinter der neuen Falttür unverändert erhalten, nur die Bordküche verliert an Anrichtfläche und Stauraum. Um das komplette Kochgeschirr samt Vorräten für die große Urlaubsreise unterzubringen, müssen die Schränke im Unterbau der Betten genutzt werden, sie bieten dafür reichlich Platz.
Raumgewinn erzielt La Strada auch durch den Verzicht auf Flaschengas. Der Brennvorrat für den zweiflammigen Kocher wird in einem 16 Kilogramm Propangas fassenden Unterflur-Tank ersetzt, das bringt zusätzliche Transportkapazitäten. Da er der einzige Gasverbraucher an Bord ist, reicht der Vorrat auch für lange Reisen, denn die Heizung und der Warmwasserbereiter werden mit Dieselkraftstoff betrieben. Der 70 Liter fassende Kompressor-Kühlschrank mit einer Doppelscharniertür bezieht seine Energie aus der serienmäßigen Lithium-Batterie mit 150 Ah-Kapazität, das mit 1200 Euro aufpreispflichtige Solarmodul auf dem Dach ermöglicht mehrere Tage Standzeit ohne externen Stromanschluss.
Im Heck wartet ein weiteres Schrankmodul auf Befüllung, es lässt sich entweder durch die geöffnete Hecktür oder vom Innenraum aus beladen, was nicht nur bei schlechter Witterung Vorteile bringt. Allerdings schränkt das Schubladenmodul die Kapazität der Heckgarage arg ein. Vor allem, wer die Offroad-Version des Sprinter mit grobstolligen Geländereifen gewählt hat, muss mit Zugeständnissen leben, denn bei diesen Versionen ist das mächtige Reserverad am linken Flügel der Hecktür befestigt, was den Einsatz eines Fahrradträgers schwierig gestaltet. So bleibt nur der Stauraum unterm Bett für den Transport eines E-Scooters oder Faltrades. Mit zwei großen Flügelschrauben kann das Schubladenmodul gelöst und ausgeladen werden, Sperriges wie Campingmöbel kommt dann aber leichter unter.
Das Sitzkonzept im Heck ist überaus findig. Beide in Fahrtrichtung vorne liegenden Bettenden werden von zwei keilförmigen, aufeinanderliegenden und angenehm straffen Polstern gebildet. Die nehmen etwa ein Drittel der gesamten Liegefläche ein und können bei Bedarf zu Rückenlehnen ausgeklappt werden, wodurch auf beiden Seiten komfortable Sitze entstehen. Um einen Tisch ins so gebaute Esszimmer zu zaubern, gilt es die Einzelsäule mit ihren vier Zapfen am unteren Ende in die metallene Aufnahmescheibe im Boden zu fädeln und diese mit einer Kurbel am oberen Ende zu verschränken. Das funktioniert zuverlässig und wer danach die solide und verschiebbare, etwa 90 mal 50 Zentimeter große Platte des Tischs auf dem gezahnten Säulenrändel mittels eines Schraubenknebels strammzieht, kann sich über einen felsenfesten Tisch freuen, der vermutlich auch eine heftig skatklopfenden Dreierrunde übersteht.
Der Vorteil dieser Konfiguration ist, dass hinter der Sitzgruppe ein Querbett für den nachmittäglichen Powernap erhalten bleibt, aber auch der uneingeschränkte Zugang zum Küchenblock findet großen Zuspruch. Wer sich dagegen für die Option entscheidet, das Frühstück oder die schnelle Mahlzeit auf den gedrehten Sitzen im Fahrerhaus einzunehmen, kann auch hier die Tischkonstruktion aufbauen. Allerdings ist dann der Zugang zur Pantry zumindest für den auf der Fahrerseite sitzenden Camper nur beschwerlich oder mit artistischem Geschick möglich. Immerhin gelingt der Zugriff zum Kühlschrank mühelos, denn dessen zweiseitig angeschlagene Tür öffnet nach vorne.
Die Verarbeitung des Regent E ist, wie bei einem Premiumhersteller wie La Strada nicht anders zu erwarten, tadellos. Der Möbelbau ist grundsolide, die Pushlock-Schlösser halten, was sie versprechen, und der Variantenreichtum des Möbeldesigns gibt der Reisemobil-Manufaktur in der Wetterau ein Alleinstellungsmerkmal. Schon die Polsterbezüge lassen sich in fünf Echtleder-Ausführungen, neun Stoff-Mustern und -Farben sowie sechs Teilleder-Designs bestellen. Für den Möbelkorpus kann man unter neun, für die Klappen unter elf unterschiedlichen Dekors wählen. Während der Fahrt hüllt sich der Ausbau in tugendhaftes Schweigen, kaum ein Knarzen oder Klappern lässt sich vernehmen. Zusammen mit der komfortablen Sprinter-Federung werden die Kilometer über lange Strecken stressfrei abgespult.
Entspannend auf Reisen wirkt außerdem die geringe Fahrzeuglänge des Regent E. Das Fahren fällt leicht, egal ob in der Großstadt oder auf den gewundenen Gassen im kleinen Vogesen-Bergdorf. Und für vorzügliche Traktion nicht nur auf nassen Wiesen sorgt der permanente Allradantrieb. Allerdings sind die optionalen grobstolligen Off-Road-Reifen von Goodrich keine Leisetreter sondern missfallen ab Tempo 80 mit sonorem Wummern. Auch den Einstieg erschwert das um 8,5 Zentimeter höhere Geländefahrwerk, ohne die Hilfestellung des Haltegriffs im Türrahmen auf der Beifahrerseite oder des lederummantelten Lenkrads links wäre es nicht jedem möglich, an Bord des Regent zu gelangen.
Bereifung und Erhöhung wirken sich derweil auch auf den Treibstoffkonsum aus. Beim Landstraßenbummel begnügt sich der Sprinter noch mit rund zehn Litern Diesel auf 100 Kilometer, wer es auf der Autobahn zügiger angeht, muss mit einem durchschnittlichen Verbrauch von mehr als 13 Liter rechnen. Wir kamen auf unseren Wegen, die vornehmlich über Nebenstrecken führten, auf einen Mittelwert von 11,8 Liter. Das Tankvolumen ist daher mit 90 Liter völlig angemessen.
Dabei garantiert der Zweil-Lter-Vierzylinderdiesel in seiner stärksten Ausbaustufe kultivierten Vortrieb. Mit 190 PS Leistung und 400 Newtonmeter Drehmomentspitze hat er keine Mühe, den samt Zusatzausstattung immerhin 3142 Kilogramm schweren Regent E in Fahrt zu bringen. Maximal zugelassen sind serienmäßig 3500 Kilogramm Gesamtgewicht, 358 Kilogramm Zuladung sind gerade noch akzeptabel.
Auch beim Preis heißt es Haltung bewahren. 106.570 Euro kostet das Grundmodell, auf 145.566 Euro steigt er mit all den vielen kleinen und großen Extras. Die größten Posten sind dabei der 4x4-Antrieb und die Off-Road-Bereifung. Wer Wiesen und Wälder meidet und das Gelände unberührt lässt, senkt den Kaufpreis um satte 13.000 Euro. (cec)
Technische Daten La Strada Regent E 4x4
Länge x Breite x Höhe (m): 5,93 x 2,03 x 2,91
Radstand (m): 6,33
Motor: 4-Zyl.-Diesel, 1950 ccm, AWD, Aut.
Leistung: 140 kW/190 PS bei 3800/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1700/min
Leergewicht: 3142 kg
Zuladung 458 kg
Max. Anhängelast: 2000 kg
Stehhöhe: 1,95 m
Schlaf-/Sitzplätze: 2/2
Frisch-/Abwassertank 95/70 Liter
Testverbrauch: 11,9 Liter / 100 km,
Basispreis: 106.570 Euro
Testwagenpreis: 145.566 Euro
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La Strada Regent E 4x4.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchbeger
La Strada Regent E 4x4.
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La Strada Regent E (Grundriss).
Photo: La Strada via Autoren-Union Mobilität
La Strada Regent E 4x4.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger