Garagen der Erinnerung

Klar, das Zeithaus in Wolfsburg, die BMW-Welt in München oder das Mercedes-Museum in Stuttgart sind erste Adressen für Auto-Enthusiasten. Daneben gibt es aber noch viel mehr interessante Fahrzeugsammlungen in privater Hand mit erstaunlichen Exponaten aus der Fahrzeuggeschichte, denn das Auto – daran gibt es trotz aller Unkenrufe, Kritik und Krisen keinen Zweifel – hat gerade in Deutschland einen herausragenden Stellenwert.

Automuseum Prototyp

2008 eröffnete das außergewöhnliche Museum in einer ehemaligen Gummimanufaktur in der Hamburger Hafen-City. Die handverlesene Kollektion zeigt fast ausnahmslos Unikate. Zum Beispiel Prototypen wie einen VW Käfer von 1939; Rennwagen, wie den Jordan 191, mit dem Michael Schumacher sein erstes Formel-1-Rennen fuhr; oder den Porsche 356 mit der Fahrgestellnummer 5006, das älteste bislang bekannte Fahrzeug dieses Typs aus dem Mai 1950. Und immer wieder locken Sonderausstellungen: Ab 17. April dieses Jahres etwa die Schau „Italian Job“ mit fünf hochkarätigen, offenen Sportwagenklassikern aus italienischer Produktion (Automuseum Prototyp, Shanghaiallee 7, 20457 Hamburg. Geöffnet: Di.-So., 10-18 Uhr. Eintritt: 13 Euro. https://prototyp-hamburg.de).

PS-Speicher

„Europas größtes Oldtimer- und Erlebnismuseum“ – so wirbt der PS-Speicher im niedersächsischen Einbeck für sich. Die Besonderheit: An insgesamt sechs Standorten in der Stadt, die alle zu Fuß gut erreichbar sind, werden mehr als 2500 Exponate ausgestellt. Von Mofa- und Roller-Modellen bis zu Bussen und Lastwagen, dazu Motorräder, Luxuskarossen und Pkw aller Art. Erst im vergangenen Jahr hinzugekommen ist eine liebevoll gestaltete Sammlung von rund 8000 Modellfahrzeugen. Für Fahrzeugfans mit den unterschiedlichsten Vorlieben ist es ein Ort zum Staunen, Fachsimpeln und Entdecken (PS.Speicher, Tiedexer Tor 3, 37574 Einbeck. Geöffnet: Di.-Fr.. 11-17 Uhr; Sa. + So.,10 - 18 Uhr. Eintritt: 19 Euro. https://www.ps-speicher.de).

Automobil Museum Frey

Das ist dann doch eine Überraschung: Die weltweit größte Sammlung von Mazda-Fahrzeugen findet sich nicht am Firmensitz des japanischen Herstellers in Hiroshima – sondern in Augsburg. Dort gibt es seit 2017 das Automobil Museum Frey, das überhaupt das erste Museum mit Klassikern dieser Marke außerhalb Japans ist. In immer neuen Konstellationen werden dort jeweils rund 50 Fahrzeuge der Marke ausgestellt. Ein Highlight der Sammlung ist beispielsweise ein Mazda RX-7 Spirit R Type A mit Wankelmotor (Mazda Classic – Automobil Museum Frey, Wertachstraße 29b, 86153 Augsburg. Geöffnet: Mo.-Do., 12-17 Uhr; Fr.-So., 10 - 18 Uhr. Eintritt: 7 Euro. https://mazda-classic-frey.de).

Klassikstadt

Im Osten von Frankfurt am Main, nahe der Autobahn A 66, befindet sich ein imposantes Backsteinensemble einer ehemaligen Landmaschinenfabrik, das eine Art Multi-Oldie-Zentrale beherbergt. Hier gibt es zahlreiche Unternehmen, die sich mit automobilen Klassikern beschäftigen – Händler, Werkstätten und auch Gastronomie. Vor allem aber sind im zweiten Obergeschoss, der sogenannten Boxengasse, zahlreiche Automobilklassiker und -raritäten hinter Glas geparkt, die – wenn Sie nicht gerade von ihren Besitzern ausgefahren werden – eine imposante PS-Galerie ergeben (Klassikstadt – Automobile Kultur Erleben, Orber Straße 4a, 60386 Frankfurt am Main. Geöffnet: Mo.-Sa., 10-20 Uhr; So., 10 - 18 Uhr. Eintritt: kostenlos. https://www.klassikstadt.de).

Technik-Museum Sinsheim

Rennwagen, Oldtimer, Motorräder, Nutzfahrzeuge aber auch Flugzeuge und Lokomotiven – im Technik-Museum Sinsheim (es gibt noch eine Dependance in Speyer) ist die Auswahl immens. Unter anderem findet sich hier die größte Privatsammlung klassischer Maybach- und Mercedes-Kompressor-Modellen oder auch die „American Dream Cars Collection“. Es ist, so platt das klingt, für jeden Fahrzeuggeschmack etwas dabei. Dazu gibt es wechselnde Sonderschauen (derzeit zum Thema Tuning) sowie ein Imax-3D-Kino – und außerdem außergewöhnliche Rennräder (Technik-Museum Sinsheim, Museumsplatz, 74889 Sinsheim. Geöffnet: Mo.-Fr., 9-18 Uhr; Sa. + So., 9-19 Uhr. Eintritt: 25 Euro. https://sinsheim.technik-museum.de).

EFA – Mobile Zeiten

Amerang im Chiemgau, ziemlich genau auf halber Strecke zwischen München und Salzburg gelegen, hat ein Schloss, einen Biergarten, eine Mehrzweckhalle – und das Automobilmuseum EFA Mobile Zeiten (EFA steht für Ernst-Freiberger-Stiftung). Es handelt sich um die Autosammlung des ehemaligen Eiscreme-Fabrikanten Ernst Freiberger. Zu sehen gibt es einen Nachbau der ersten Motorkutsche, majestätische Fahrzeuge der 20er- und 30er-Jahre und zahlreiche Klassiker aller Marken und Größen, vom Opel Laubfrosch über den VW Brezelkäfer bis zum kühnen Ro 80 – insgesamt „mehr als 250 Meisterwerke deutscher Ingenieurskunst“, wie es auf der Homepage des Museums heißt (EFA – Mobile Zeiten, Wasserburger Straße 38, 88123 Amerang. Geöffnet: Mo.-So., 10-17 Uhr. Eintritt: 13,50 Euro. https://efa-mobile-zeiten.de).

Fahrzeugmuseum Marxzell

Das Fahrzeugmuseum Marxzell in der Nähe von Karlsruhe gehört zu den ältesten und größten privat geführten Technikmuseen in Deutschland. Ausgestellt werden dort mehr als 140 Automobile, 170 Zweiräder, 20 Traktoren und 15 Feuerwehrfahrzeuge und dazu eine geradezu überwältigende Vielzahl von Motoren, Blechschildern, Werkzeugen, Reklametafeln, Modellautos, Zubehör und Ersatzteilen aller Art. Ein Sammelsurium der Mobilität – und ein Old-School-Kino mit hölzernen Klappsitzen, in dem Filme zur Technikgeschichte gezeigt werden, gibt es auch (Fahrzeugmuseum Marxzell, Neuenbürger Straße 1, 76359 Marxzell. Geöffnet: Mo.-So., 14-17 Uhr; Sa.+So., 9-19 Uhr. Eintritt: 8 Euro. https://fahrzeugmuseum-marxzell.de).

Automuseum Melle

Auf drei Etagen einer ehemaligen Möbelfabrik in Melle, gelegen zwischen Osnabrück und Bielefeld, sind die Exponate des Automuseums Melle aufgereiht. Stets sind hier zwischen 200 und 300 Automobile zu sehen. Genauer beziffern lässt sich das nicht, denn das Besondere dieser Sammlung ist: Alle Ausstellungsmobile sind fahrbereit und werden auch immer wieder bewegt. Das macht die Ausstellung zu einer Art „Garage der Erinnerungen“, wie es die Museumsmacherinnen und -macher formulieren. Von musealem Muff und staubüberzogenen Exponaten jedenfalls ist dieser Ort weit entfernt (Automuseum Melle, Pestelstraße 38-40, 49324 Melle. Geöffnet: Di.-So., 11-18 Uhr. Eintritt: 10 Euro. https://automuseum-melle.de).

Nationales Automuseum – The Loh Collection

Der kleine Ort Dietzhölztal-Ewersbach, gelegen zwischen Siegen und Marburg, fällt einem nicht unbedingt als erstes ein, wenn es um das Thema Automobile geht. Das aber ist ein Fehler: Denn dort befindet sich das „Nationale Automuseum – The Loh Collection“, wohl eine der beeindruckendsten Fahrzeugsammlungen weltweit. Gezeigt werden rund 150 Pkw, Sport- und Rennwagen von mehr als 50 Herstellern aus 135 Jahren. Derzeit ist die Sonderausstellung „Rallye Legenden – Zeitreise auf Asphalt, Schotter und Schnee“ zu sehen, darunter auch die legendären Renner der Gruppe 4 und der Gruppe B. Auch die Präsentation der Exponate, ebenso wie die Architektur Museumsanlage ist überaus sehenswert (Nationales Automuseum – The Loh Collection, Museumsstraße 1, 35716 Dietzhölztal-Ewersbach. Geöffnet: Mi.-Fr., 11-18 Uhr; Sa. + So., 10.30-18 Uhr. Eintritt: 21 Euro. https://www.nationalesautomuseum.de/de).

Deutsches Fahrzeugmuseum Fichtelberg

Auf 11.000 Quadratmetern Ausstellungsgelände präsentiert das Deutsche Fahrzeugmuseum Fichtelberg 203 Automobile, 674 Motorräder, drei Helikopter, 14 Feuerwehrautos und Traktoren, 21 Dampfmaschinen sowie 6384 Modellfahrzeuge. Es lohnt sich zudem auch, in den Veranstaltungskalender des Museums zu schauen. Im vergangenen Jahr etwa fand ein DeLorean-Treffen in Fichtelberg statt, zu dem mehr als 30 der legendären Flügeltürer anrückten. Es gibt also viel zu sehen und etliche Raritäten und Skurrilitäten zu entdecken (Das Deutsche Fahrzeugmuseum Fichtelberg, Nagler Weg 9-10, 95686 Fichtelberg. Geöffnet: Di.-So., 10-17 Uhr. Eintritt: 12 Euro. https://www.amf-museum.de).

Mobile Welt des Ostens

Getragen wird dieses außergewöhnliche Museum von einem Verein, dessen Mitglieder zum Teil seit mehr als 50 Jahren in der Oldtimerszene aktiv sind und die, so heißt es auf der Homepage, mehr als 200 „rollende Zeitzeugen der Kfz-Geschichte“ zusammengestellt haben, darunter auch zahlreiche Zweiräder. Zu sehen gibt es unter anderem einen Fahrrad-Hilfsmotor, der mit Diesel betrieben wurde, ein seltenes Jawa-Motorrad mit obenliegender Nockenwelle sowie eine Escort-MZ, die als Begleitmotorrad bei DDR-Staatsbesuchen eingesetzt wurde. Autos gibt es ebenfalls in Hülle und Fülle, gebaut von den Eisenacher Automobilwerken etwa, von DWK oder von Skoda, von Wartburg oder Trabant, von Tschaika oder SIS. Von letztgenanntem Hersteller stammt auch das einzigartige Repräsentationscabriolet 110W, das auf Befehl Stalins gebaut wurde (Mobile Welt des Ostens, Straße der Freundschaft, 03205 Calau. Geöffnet: Di.-So., 10-16.30 Uhr. Eintritt: 8 Euro. https://www.mobileweltdesostens.de/index.php).

12 Zylinderhaus

Das Zylinderhaus Museum in Bernkastel-Kues an der Mosel lädt auf drei Etagen und anhand von mehr als 100 Automobilen, Motorrädern und Transportern zu „einer Reise durch 90 Jahre deutsche Automobilgeschichte“ ein. Gezeigt werden unter vielen anderen ein Horch Achtzylinder von 1937, ein DKW Monza aus dem Jahr 1957 sowie Typen von Borgward und Mercedes-Benz, Volkswagen, BMW und Goggo. Der Schwerpunkt der umfangreich inszenierten Sammlung liegt dabei auf den deutschen Wirtschaftswunder-Automobilen der 50er- und 60er-Jahre (Zylinderhaus, Adolf-Kolping-Straße 2, 54470 Bernkastel-Kues. Geöffnet: Di.-Sa., 10-18 Uhr, So.,10-17 Uhr. Eintritt: 15 Euro. https://www.zylinderhaus.com). (aum)


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Bilder zum Artikel

Automuseum Prototyp.

Automuseum Prototyp.

Photo: Automuseum Prototyp via Autoren-Union Mobilität


Automuseum Prototyp: Ferrari Dino 246 GTS.

Automuseum Prototyp: Ferrari Dino 246 GTS.

Photo: Automuseum Prototyp via Autoren-Union Mobilität


Der PS Speicher in Einbeck.

Der PS Speicher in Einbeck.

Photo: PS Speicher via Autoren-Union Mobilität


Der PS Speicher in Einbeck.

Der PS Speicher in Einbeck.

Photo: PS Speicher via Autoren-Union Mobilität


Das Augsburger Automuseum Frey ist aus einer der weltweit größten privaten Mazda-Sammlungen entstanden.

Das Augsburger Automuseum Frey ist aus einer der weltweit größten privaten Mazda-Sammlungen entstanden.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Mazda


Die private Mazda-Sammlung des Automobilmuseums Frey in Augbsurg.

Die private Mazda-Sammlung des Automobilmuseums Frey in Augbsurg.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Mazda


Mazda-Museum in Augsburg.

Mazda-Museum in Augsburg.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Mazda


Mazda-Museum in Augsburg.

Mazda-Museum in Augsburg.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Mazda


Die Klassikstadt in Frankfurt am Main.

Die Klassikstadt in Frankfurt am Main.

Photo: Klassikstadt via Autoren-Union Mobilität


Die Klassikstadt in Frankfurt am Main.

Die Klassikstadt in Frankfurt am Main.

Photo: Klassikstadt via Autoren-Union Mobilität


Das Technik-Museum Sinsheim.

Das Technik-Museum Sinsheim.

Photo: Technik-Musuem Sinsheim via Autoren-Union Mobilität


Das Technik-Museum Sinsheim.

Das Technik-Museum Sinsheim.

Photo: Technik-Musuem Sinsheim via Autoren-Union Mobilität


Das „Nationale Automuseum – The Loh Collection“ in Dietzhölztal-Ewersbach.

Das „Nationale Automuseum – The Loh Collection“ in Dietzhölztal-Ewersbach.

Photo: The Loh Collection via Autoren-Union Mobilität


Das „Nationale Automuseum – The Loh Collection“ in Dietzhölztal-Ewersbach.

Das „Nationale Automuseum – The Loh Collection“ in Dietzhölztal-Ewersbach.

Photo: The Loh Collection via Autoren-Union Mobilität