Warum tanken so teuer ist – und weshalb sich das so schnell nicht ändern wird
26. März 2026 Von Jürgen Pander
Wie setzt sich der Spritpreis in Deutschland zusammen?
Da ist zum einen der Materialpreis. Laut aktuellem „Öl-Bulletin“ der EU lagen am Montag dieser Woche (23. März) die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland jeweils unter dem Durchschnittspreis innerhalb der EU. Noch ohne Steuern wohlgemerkt. Beim Preisvergleich inklusive Steuern hingegen lagen die deutschen Preise deutlich über dem EU-Durchschnitt. Fällig werden hierzulande Energiesteuer (65,4 Cent pro Liter Benzin, 47,0 Cent pro Liter Diesel), CO2-Abgabe (15,7 Cent pro Liter Super E10, 17,3 Cent pro Liter Diesel). Zudem werden auf die Summe der genannten Preiselemente noch 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen.
Deutschland bezieht den Großteil seines Rohöls gar nicht aus Nahost. Warum steigen die Preise dennoch so stark?
Es stimmt, die größten Rohöllieferanten Deutschlands sind Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien. Aus dem Nahen Osten bezieht Deutschland lediglich 6,1 Prozent seiner Rohölimporte, wie das Statistische Bundesamt für das Jahr 2025 ausgewiesen hat. Und: Aus dem Iran, aus Kuwait, Katar und aus dem Oman wurde im vergangenen Jahr gar kein Rohöl importiert. Dennoch treibt der gegenwärtige Krieg gegen den Iran und die Krise in Nahost die Preise in Deutschland in die Höhe, denn Rohöl sowie die daraus gewonnen Produkte Benzin und Diesel sind global gehandelte Produkte. Das heißt, die Preise bilden sich durch einen weltweiten Mechanismus von Angebot und Nachfrage.
Wie wirkt sich der globale Markt auf die Spritpreise in Deutschland aus?
Was derzeit auf dem Weltmarkt passiert, erklärt Thomas Puls, Wirtschaftsexperte für Verkehr und Infrastruktur beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln: „Als vor vier Jahren der russische Angriff auf die Ukraine begann und damit Russland als Ölimporteur für Europa ausfiel, kauften die Europäer Rohöl aus anderen Regionen, was prompt den Weltmarktpreis in die Höhe trieb. Mit dem jüngsten Angriff Israels und der USA auf den Iran fällt sowohl dieses Land, als auch weitere Ölförderländer in Nahost als Hauptlieferanten für China, Indien, Japan, Südkorea und andere asiatische Staaten aus. Nun kaufen diese Länder überall dort Rohöl ein, wo sie welches bekommen können. Das heißt, dass jetzt das Angebot die Nachfrage übersteigt – das treibt den Preis in die Höhe. Und zwar weltweit.“
Warum wird vor allem Dieselkraftstoff so viel teurer als Benzin?
Jahrzehntelang kosteten die Raffinerieprodukte Benzin und Diesel etwa gleich viel an den Rohstoffbörsen. Einige Regionen mussten zwar Diesel zukaufen, andere Benzin, weil die eigenen Raffineriekapazitäten nicht ausreichten, insgesamt jedoch hielten sich Angebot und Nachfrage die Waage. Allerdings muss man wissen, dass sich Europa nicht selbst mit Diesel versorgen kann, dafür aber mehr Benzin als benötigt produziert. Jahrelang wurde also das überschüssige Benzin verkauft, etwa in die USA, und dafür die fehlende Menge Diesel zugekauft – vor allem aus Russland. Seit Russland mit dem Krieg gegen die Ukraine als Diesellieferant ausfiel, kaufte Europa den benötigten Diesel von Raffinerien in der Golfregion, weshalb vor allem der Dieselpreis stieg. Nun passiert Vergleichbares: Europa muss Diesel zukaufen, doch weil potenzielle Lieferanten in Nahost ausfallen, verknappt sich das Angebot und der Preis steigt.
Wäre eine Senkung der Energiesteuer sinnvoll, um die Spritpreise zu senken?
Eine eindeutige Antwort auf diese Frage lässt sich nicht geben. Möglicherweise würde eine Senkung der Steuern die Spritpreise zumindest kurzfristig senken – allerdings besteht das Risiko, dass ein etwaiger Steuernachlass nicht oder nicht vollständig an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wird. Was allerdings feststeht: Eine Steuerentlastung würde sehr viel Geld kosten und zugleich nichts am Grundproblem ändern. Dass nämlich bei einem knappen, global begehrten Gut mit steigender Nachfrage auch der Preis steigt.
Würden ein rasches Kriegsende in Nahost die Spritpreise wieder sinken lassen?
Eine Prognose über die weitere Entwicklung ist schwierig. Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln sagt: „Die Verwerfungen, die es gegenwärtig auf dem globalen Markt für Rohölprodukte – also Benzin, Diesel, Kerosin und andere – gibt, sind keine Probleme, die sich mit wenigen Maßnahmen wieder glätten lassen. Das kann man sich vorstellen wie ein Schweizer Uhrwerk, in das eine Ladung feiner Sand gekippt wurde – alles ist aus dem Takt, ein Instandsetzen erfordert viel Einsatz und Zeit. Nach meinem Eindruck dürfte es nach einem Waffenstillstand in Nahost mindestens vier bis sechs Monate dauern, ehe der Markt wieder in gewohnter Weise funktioniert.“ (cec)
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