Camping ist immer noch eine günstige Urlaubsform
24. März 2026 Von Michael Kirchberger
Ein begeisterter Kitesurfer aus der Nachbarschaft fährt seit Jahren mit seiner Familie im VW T6 und einem Fendt-Caravan von Frankfurt am Main an die Costa Brava in Katalonien. Das sind gut 1200 Kilometer und mindestens zwölf Stunden Fahrzeit. Der Campingplatz La Ballena Alegre, eine Ferienfabrik mit mehr als 1000 Stellplätzen und einem endlosen Sandstrand, ist Jahr um Jahr teurer geworden, dennoch ständig ausgebucht. Deshalb hat die Familie bereits bei ihrer Abreise im vorigen Jahr für diesen Sommer reserviert. In der aktuellen Saison kostet die großzügige Parzelle für drei Wochen knapp 1700 Euro. Und auch wenn Diesel in Frankreich (2 Euro) und Spanien (1,80 Euro) zurzeit weniger kostet als bei uns, allein für die Hin- und Rückreise werden zusätzlich gut 720 Euro für Treibstoff fällig. Dazu kommen die Autobahnmaut und die allgemeinen Kosten für Verpflegung und Ausflüge.
Nun aber steht wegen des Preisniveaus ein Fragezeichen hinter dem Urlaubsziel. Denn in Deutschland kostet eine Familienübernachtung auf dem Campingplatz im Durchschnitt nur 40 Euro. Thüringen ist mit 33 Euro günstiger, Baden-Württemberg, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommer liegen mit 43 Euro darüber. Und an der Ostsee weht der Wind vor Fehmarn kaum weniger kräftig und zuverlässig als an der Costa Brava, nur das Thermometer kann dort mit dem milden Mittelmeerklima nicht mithalten. In Europa liegt der durchschnittliche Übernachtungspreis auf dem Campingplatz bei 52 Euro je Nacht, im sonst eher hochpreisigen Schweden verlangen die Betreiber nur 43 Euro im Schnitt, Italien (66 Euro) und Kroatien (68 Euro) liegen deutlich darüber.
Diese Preise sind aber nur Anhaltspunkte und oft ist nichts weniger aussagekräftig als der Durchschnitt. Denn die Lage macht’s. Befindet sich das Camp am Meeresstrand oder am rauschenden Wildbach mit Blick auf die Alpengipfel, müssen die Urlauber ein Stück weit tiefer in die Tasche greifen. Zumindest in den bevorzugten Lagen sind die Preise auch in Deutschland nach Angaben der ADAC-nahen Buchungsplattform Pincamp seit 2020 um 28 Prozent gestiegen.
Wer seine Ferienziele an den Treibstoffpreisen ausrichtet, sollte nach Polen reisen, dort gibt es den Liter Diesel für etwa 1,50 Euro. Tschechien, die Slowakei und Slowenien verkaufen den Selbstzündersprit für noch weniger Geld. Wer aber von Meer und Wellen träumt, wird im Karst-Gebirge des ehemaligen Jugoslawiens kaum Freude finden. Eher sparen lässt sich mit der Reisezeit. Wer nicht an die offiziellen Sommerferien der Länder gebunden ist, findet in der Vor- und Nebensaison auf den Campinglätzen deutlich niedrigere Preise.
Trotz der kräftig gestiegenen Kosten gehört der Campingurlaub immer noch zu den eher günstigeren Urlaubsformen, denn wer seine Ferien im Hotel verbringt, zahlt deutlich mehr und dies ebenso fürs Essen wie für Getränke. Dies gilt für die lange Auszeit am Urlaubsort wie gleichermaßen für die kurze Ausfahrt am verlängerten Wochenende. (cec)
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Campingplatz La Ballena Alegre an der Costa Brava in Spanien.
Photo: CIVD via Autoren-Union Mobilität
Camping.
Photo: CIVD via Autoren-Union Mobilität
Camping ist eine immer noch vergleichsweise günstige Urlaubsform.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger
Mit dem Camper zu reisen ist eine immer noch vergleichsweise günstige Urlaubsform (hier in Schweden).
Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchrberger
Der Urlaub mit einem Camper ist immer noch vergleichsweise günstig.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger