Für die Sicherheit: Mechanische Türgriffe und mehr Schalter und Tasten
19. Februar 2026 Von Jürgen Pander
Als der Aston Martin Lagonda Series 2 im Jahr 1976 bei der London Motor Show in Earls Court vorgestellt wurde, galt er als „fortschrittlichstes Auto seiner Zeit“. Das Publikum staunte vor 50 Jahren über ein Cockpit mit LED-Anzeigen, berührungsempfindliche Bedienflächen und einen Bordcomputer, so etwas hatte es noch nie zuvor in einem Auto gegeben. Es dauerte zwar, bis Digitalcockpits, Touchscreens und Touchslider sich im Autobau durchsetzen, inzwischen jedoch sind sie allgegenwärtig in modernen Fahrzeugen.
Doch das könnte sich künftig wieder ändern. Und der Anstoß dazu kommt ausgerechnet aus China, jenem Land, dessen Autohersteller die Modelle oft mit Digitalfunktionen geradezu überfrachten. Jetzt jedoch gibt es einen Vorstoß des chinesischen Industrieministeriums, demzufolge neue Automodelle ab 1. Juli 2027 wieder mehr physische, klassische Tasten, Knöpfe oder Schalter als Bedienelemente haben sollen Unter anderem für Gangwahl, Blinker, Warnblinker, Fensterheber und den Notruf soll keine Touchbedienung mehr erlaubt sein.
Damit greift China einen Trend auf, der zuletzt das Pkw-Sicherheits-Konsortium Euro NCAP mit dem Slogan „Bring Back Buttons“ gesetzt hatte. Seit diesem Jahr können Pkw bei den Tests von Euro NCAP nur noch dann die Bestnote erhalten, wenn für Blinker, Warnblinker, Hupe, Scheibenwischer und den Notruf e-Call physische Schalter mit direktem, haptischen Feedback vorhanden sind. Eine eindeutige und unmittelbar Bedienung dieser Funktionen ist nicht nur komfortabel, sondern auch sicherheitsrelevant.
So wurde schon vor einigen Jahren ein Fall publik, bei dem der Fahrer eines Tesla bei starkem Regen von der Straße abkam und mehrere Bäume rammte, weil er durch das Herumtippen auf dem Touchscreen, um das Scheibenwischerintervall zu ändern, zu sehr abgelenkt war. Der US-Elektroautobauer Tesla ist bekannt für ein Bedienkonzept, das auf maximale Konzentration auf den Touchscreen setzt. Bereits im Model S, das ab 2012 ausgeliefert wurde, gab es nur noch eine Handvoll klassischer Bedienelemente.
Zugleich setzte die sportliche Elektro-Limousine damals einen weiteren Trend, nämlich den der vollständig in der Karosserie versenkten Türgriffe. Solche gibt es auch beim Range Rover Velar, beim Porsche Taycan, beim Hyundai Ioniq 9 und etlichen anderen Modellen. Ihnen allen gemeinsam ist: Sie dürfen in China künftig nicht mehr angeboten werden. Vor einigen Wochen gab das chinesische Industrieministerium die neue Regel bekannt, nach der ab 1. Januar 2027 neue Fahrzeugmodelle nur noch dann zugelassen werden dürfen, wenn die Türen außen und innen mit mechanisch funktionierenden Griffen ausgestattet sind. Für alle Modellreihen, die bereits im Verkauf sind, gilt der neue Standard ab 1. Januar 2029. Damit soll sichergestellt werden, dass sich Autotüren auch dann öffnen lassen, wenn die elektrischen Systeme ausgefallen sind.
Hintergrund für diese neue Bestimmung war ein Unfall im vergangenen Herbst, bei dem der Fahrer einer Elektro-Limousine vom Typ Xiaomi SU7 nach einer Kollision in seinem Auto verbrannte, weil Passanten die Türen des Wagens nicht öffnen konnten – denn die Griffe blieben ohne Stromversorgung eingefahren. (cec)
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Die S-Klasse von Mercedes-Benz S-Klasse hat elektrische Türgriffe mit mechanischer Rückfallebene.
Photo: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität
Auch der Nio ET 5 verfügt über versenkte Türgriffe.
Photo: Nio via Autoren-Union Mobilität
Porsche Taycan mit eingebetteten Türgriffen.
Photo: Porsche via Autoren-Union Mobilität
Tesla Model S mit bündigen Türgriffen.
Photo: Tesla via Autoren-Union Mobilität
Cockpit des Tesla Model S: Die Zahl der physischen Schalter reduziert sich auf zwei Lenkradtasten, der Rest wird über den Touchscreen gesteuert.
Photo: Tesla via Autoren-Union Mobilität
Mit dem ID Polo kehrt auch Volkswagen wieder zu mehr physischen Schaltern zurück.
Photo: Volkswagen via Autoren-Union Mobilität