Den Camper kaufen oder doch besser mieten?
6. Februar 2026 Von Michael Kirchberger
Um es vorweg zu nehmen: Die Annahmen und Berechnungen der Vermietexperten sind äußerst vage und können nicht wirklich ein reales Bild des Marktangebotes abbilden. Zu facettenreich sind die vielen verschiedenen Wohnmobilklassen, Ausstattung und die persönlichen Vorlieben des Käufers sind ebenso wenig homogen. Die Zahlen, auf denen die Urlaubsformel aufbauen, sind vor allen der Durchschnittspreis von aktuell 75.000 Euro, die Camper in Deutschland für die Anschaffung eines Neuwagens ausgeben, unter Berücksichtigung aller Fix-Kosten müsse das Fahrzeug für 67 Urlaubstage im Jahr genutzt werden, um günstiger als ein Mietmobil zu sein.
Schon beim durchschnittlichen Anschaffungspreis beginnt die Unsicherheit: „Aus Verbandssicht ist ein Durchschnittspreis nur wenig aussagekräftig, da bei den Reisemobilen vom simplen Urban-Fahrzeug bis hin zum Liner alles einfließt und der Wert dadurch verzerrt wird. Außerdem wird bei einer solchen Berechnung nicht berücksichtigt, welche zusätzlichen Ausstattungen der einzelne Reisemobilist noch hinzukonfiguriert“, teilt auf Anfrage Jonathan Kuhn mit, Sprecher des Caravaning-Industrieverband Deutschland (CIVD).
In der Tat beginnt die Preisliste für einen schlicht ausgestatteten Van bei 35.000 Euro, die gängigen Kastenwagen gibt es von 40.000 bis über 100.000 Euro, die teilintegrierten Fahrzeuge starten bei rund 55.000 Euro, für die Vollintegrierten und Liner sind wenigstens 80.000 Euro fällig, wobei die Preisskala nach oben offen ist. Wer sich für ein gebrauchtes Wohnmobil entscheidet, kommt erheblich günstiger weg, wenngleich die Preise auch hier immer noch auf hohem Niveau siedeln. Denn der Wertverlust der Camper ist niedriger als der eines Personenwagens, nach zwei Jahren lässt er sich bei guter Pflege und gemäßigter Fahrstrecke immer noch für gut 80 Prozent veräußern.
Auch die Ausstattung ist entscheidend. Eine Markise als Sonnenschutz gehört an jedes Campingmobil und kostet etwa 1400 Euro, Satelliten-TV gibt es ab 2800 Euro, Router-Lösungen sind günstiger, aber auch nicht unter 1500 Euro zu haben. Navigation, Rückfahrkamera Leichtmetallräder und optische Verschönerungen schlagen ebenfalls zu Buche. Vor allem bei der Energieversorgung sind Kunden bereit, tief in die Tasche zu greifen. Die teils serienmäßige Ausrüstung mit leistungsstarken, aber teureren Lithium-Akkus greift immer mehr um sich, auch Solarmodule auf dem Dach und ein Wechselrichter an Bord, um Induktionskochfelder oder den Kompressorkühlschrank über mehrere Tage hinweg ohne Landstromversorgung zu betreiben, werden immer häufiger geordert.
Die übrigens Kosten variieren ebenfalls stark, je nach Wohnmobilklasse. Camperdays legt pauschal 9920 Euro im Jahr zugrunde, also mehr als 800 Euro im Monat. Als Finanzierungskosten legt die Plattform 1100 Euro im Jahr fest, wer einen Teil oder den gesamten Kaufpreis aus der ausgeschütteten Lebensversicherung oder mit einer Erbschaft bezahlt, kann diesen Posten streichen. Für die jährliche Versicherung werden 720 Euro veranschlagt, auch hier herrscht eine große Bandbreite. So ist weder ein eventueller Schadenfreiheitsrabatt noch die besonderen Konditionen von Automobilclubs berücksichtigt, mit denen sich auch ein Campingfahrzeug mit einem Kaufpreis von 90.000 Euro schon für etwa 650 Euro im Jahr mit Vollkasko versichern lässt.
Die berechneten Abstellkosten sind ebenso hanebüchen, denn zugelassene Wohnmobile können unbegrenzt am Straßenrand parken. Und ein Hausbesitzer kann auf seinem Grundstück einen Parkplatz schaffen, was die Versicherungssumme obendrein günstiger macht. Realistisch sieht die Kostenschätzung für Inspektion und Reparaturen aus, die mit 500 Euro beziffert werden. Der Wertverlust mit 15 Prozent im Jahr ist dagegen zu hoch angesetzt.
Wer mietet muss mit 600 und 1400 Euro je Woche rechnen, abhängig von der Größe und Ausstattung. Vor allem kompakte Modelle wie den VW California gibt es schon für etwa 600 Euro je Woche. Teilintegrierte Modelle, die sich für Familien eigenen, kosten wöchentlich zwischen 1000 bis 1400 Euro. Aber die Mietverträge variieren stark. Entscheidend ist die Mietdauer, die gestatteten Freikilometer, ob ein oder mehrere Fahrer das Steuer übernehmen dürfen und ob ein Haustier mitreist. Vor allem aber spielt die Jahreszeit eine wesentliche Rolle. Kostet ein Ducato Kastenwagen von Hannes Camper im März beispielsweise noch 70 Euro am Tag, so steigt der Preis in der Zwischensaison auf 100 Euro, in der Hauptsaison werden dann 140 Euro täglich aufgerufen. Außerdem fallen zusätzliche Kosten für Treibstoff, Maut, Campingplätze und Fähren an – was aber natürlich auch für das gekaufte Mobil gilt.
Am Ende ist es eine Frage des Komforts und der Spontanität, wie die Entscheidung letztlich ausfällt. Wer öfter im Jahr zu spontanen Roadtrips am verlängerten Wochenende aufbrechen will, wird mit dem Mietmodell nicht glücklich. Zu groß ist der Aufwand das Gepäck immer wieder aufs Neue zu verstauen und wieder auszuladen. Einfach einzusteigen und loszufahren fällt leichter, wenn das eigene Mobil vollgetankt und beladen vor der Tür steht. Das Wetter entscheidet mit, wann und wohin die Reise gehen soll.
Die Anschaffung eines Campers lässt sich also kaum rational abwägen, er repräsentiert vielmehr eine Welt- oder besser gesagt, Urlaubsanschauung. Immer empfehlenswert ist jedoch, dass Neueinsteiger auf jeden Fall Testferien mit einem in Frage kommenden Fahrzeug unternehmen sollten. Dabei lässt sich risikolos ausprobieren, ob der Grundriss passt, die Betten komfortabel und die Einrichtung ebenso zweckmäßig wie kuschelig ist. Und die Miete ist allemal günstiger als der Wertverlust, wenn sich nach kurzer Zeit herausstellt, dass es sich beim angeschafften Wagen eben doch nicht um das Traummobil handelt. Zumal manche Unternehmen die Mietzahlung zumindest teilweise anrechnen, wenn das Wohnmobil nach der Test-Ausfahrt gekauft wird. (aum)
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