CMT 2026: Der Wettbewerb wird härter
19. Januar 2026 Von Michael Kirchberger
Im Vorjahr fanden rund 260.000 Schaulustige den Weg zur CMT, dieses Jahr werden es nicht weniger sein, denn dem drastischen Preisanstieg vor allem bei den Wohnmobilen seit der Corona-Sonderkonjunktur begegnen viele Hersteller mit Schnäppchenangeboten, die gerade auf einer Verkaufsmesse wie der Stuttgarter Camping-Schau an jeder Ecke lauern. Dazu kommen Sondermodelle, die mit Komplettausstattung den preislichen Rahmen wieder geraderücken sollen.
Dennoch herrscht keine wirklich entspannte Stimmung, denn die gestiegenen Lebenshaltungskosten ersticken manchen Kundenwunsch nach einem Reisemobil im Keim. Und dass der Wettbewerb härter wird, erleben die Aussteller täglich. Denn wenn beim Standnachbarn die Preise purzeln, geraten seriöse Verkaufsgespräche oft auf schlüpfriges Parkett. Wie auch immer, die Reisemobile konnten ihr Niveau 2025 gerade so auf Vorjahresniveau halten, die Caravans mussten dagegen Federn lassen. Getroffen hat es aber auch das Segment der Campervans, die einige Hersteller wegrationalisiert haben. Bürstner, Adria und Ahorn haben ihr Portfolio diesbezüglich verschlankt, es werden wirtschaftliche Gründe angeführt. 2024 wurden noch 24.000 Zulassungen in dieser Klasse registriert, diese Zahl ist 2025 auf 19.000 gesunken.
Das hält Ford jedoch nicht davon ab, den bei Westfalia gebauten Nugget auf Transit-Basis zum 40. Geburtstag des Modells mit einer Sonderedition zu würdigen. 1986 gab der Campervan sein Debüt auf dem damals noch in Essen gehaltenen Caravan-Salon in den Hallen am Gruga-Park, sehr zum Entsetzen von Volkswagen, die bis dahin als Platzhirsch bei den Ausbauern in Rheda-Wiedenbrück agierten. Das Sondermodell tritt in den ursprünglichen Farben an und ist mit allerlei Schmanckerln ausgestattet. Für Vortrieb sorgte ein Zweiliter-Diesel mit 170 PS (125 kW), der Preis liegt bei knapp 90.000 Euro.
Bei Adria wird ebenfalls gefeiert, hier blickt man auf 60 Jahre Markengeschichte zurück und nennt die Sondermodelle „Adria 60 Years Selection“. Sie bieten ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und starten bei 57.000 Euro. Der polnische Van-Spezialist Affinity präsentiert als Weltpremiere in Stuttgart seine neuen Freedo-Einsteigermodelle auf MAN TGE. Der M 599 hat eine U-Hecksitzgruppe und Einzelbetten, der M 684 eine Dinette. Die spanische Marke Benimar stellt ihre 32 Reisemobil-Modelle auf Kompressor-Kühlschränke und Lithium-Akkus um. Beim Alkovenmobil Sport kommt mit dem Grundriss S 344 eine L-förmige Lounge-Sitzgruppe neu ins Programm.
Bei Carthago gibt es künftig ein digitales Bedienpanel mit kapazitivem Touchdisplay für alle Baureihen ab der Chic-C-Line. Diese wurde umfassend überarbeitet und rollt mit sechs Grundrissen auf Basis des Fiat Ducato oder Mercedes-Benz Sprinter sowie mit zwei und drei Achsen in die neue Saison. Mindestens 100.000 Euro dürfen investiert werden. Noch weiter nach oben schielt Dopfner. Das Familienunternehmen fertigt in Manufakturqualität und kommt mit zwei Weltpremieren nach Stuttgart. Der 332 A ist ein kompaktes und voll ausgestattetes Alkovenmobil mit einer Außenlänge von sechs Metern. Der 482 A will mit einer geräumigen Sitzgruppe und einer extra großen L-Küche punkten. Für 250.000 Euro darf die Reise starten.
Mehr Volumen dürfte Hobby einfahren, zum ersten Mal zeigen die Fockbeker den Ontour-Van mit einem Aufstelldach, was die Zahl der Übernachtungsplätze an Bord von zwei auf vier erhöht und den Preis auf 74.000 Euro. Zuwachs gibt es auch bei Dethleffs, wo der Globebus Performance mit Offroad-Qualitäten als T16 die Baureihe um einen 6,25 Meter langen Teilintegrierten erweitert. Der kostet auf Basis des VW Crafter mit Allradantrieb 95.000 Euro und ist so deutlich günstiger als der 60 Zentimeter längere T6.
Frankia verabschiedet den Luxusliner Platin mit einer Final Edition, die ebenfalls von guten Rabatten geprägt ist. Dennoch kostet das vollintegrierte Flaggschiff der Traditionsmarke aus Marktschorgast auf Mercedes-Basis mindestens 173.900 Euro. Günstiger gibt es den teilintegrierte Frankia Neo (ab 101.900 Euro), der künftig mit den gleichen farbenfrohen Innenraum-Designvariationen wie der Now (ab 76.900 Euro) angeboten wird.
Die Einsteigermarke Forster, angesiedelt neben Eura Mobil in der Trigano-Gruppe, bringt einen Teilintegrierten auf Ford-Basis mit nach Stuttgart. Der knapp 7,5 Meter lange Camper kann unter anderem mit einem interessanten Queensbett-Grundriss geordert werden und darf maximal 3,5 Tonnen auf die Waage bringen, was eine Zuladung von etwa 450 Kilogramm ermöglicht. Der Grundpreis liegt bei rund 75.000 Euro.
Das Terrain lotet unterdessen ein Branchen-Neuling aus. Hyundai zeigt die Studie eines ausgebauten Staria Elektro mit Hubdach, der neben einer Außendusche mit einem 520-Watt-Solarpanel aus Verbundmaterial bestückt ist, das bei fünf Sonnenstunden bis zu 2,6 kWh Strom erzeugen kann. Das System kann die Autonomie abseits der Stromversorgung für wirklich abenteuerlustige Camper unterstützen, indem es Bordfunktionen wie einen 36-Liter-Kühlschrank und die Klimaanlage mit Strom versorgt. Sollte es genug Interesse geben, wird der Staria Camper ausschließlich mit elektrischem Antrieb auf den Markt kommen.
Fendt erweitert die gerade eingeführte Next-Wohnwagenserie um einen zweiten Grundriss. Der vier Meter lange Caravan kostet 19.700 Euro, bietet vier Campern Platz und wird dank eines geringen zulässigen Gesamtgewichts von 1000 Kilogramm besonders für die Fahrer eines Elektroautos attraktiv. Hymer führt eine neue Baureihe mit dem Namen GT-S ein (ab 103.900 Euro), die in teilintegrierter Form auf dem Mercedes Sprinter rollt und in zwei Längen (7,1 und 7,5 Meter) sowie drei Grundrissen auf den Markt kommt. Außerdem erneuern die Bad Waldseer die B-Klasse Modern Comfort und stellen den Offroad Van Gran Canyon 700 in einer geländegängigen Cross-Trail-Variante auf Sprinter-Basis vor. Mercedes selbst ist erstmals seit der Corona-Pandemie in Stuttgart wieder mit einem eigenen Stand präsent, zeigt aber noch nicht den neuen Marco Polo, der erst später in diesem Jahr Premiere feiern wird. Für dessen Wohnausbau ist Westfalia dem Vernehmen nach aus dem Rennen, er soll bei Mercedes in Ludwigsfelde produziert werden. Vertreten ist die Sternenmarke unterdessen zunehmend bei anderen Aus- und Aufbauern. Besonders die 4x4-Version des Erfolgstransporters haben nahezu alle Marken im Portfolio.
Auch Knaus arbeitet mit Editionsmodellen, besonders interessant ist darunter der teilintegrierte Live Wave 650 MEG Black Selection mit einer umfangreichen Serienausstattung, Glattblech-Seitenwänden, Premium-Aufbautür, Automatikgetriebe, elektrische Parkbremse und adaptivem Tempomat. Knapp 80.000 werden für das Ducato-basierte Mobil fällig, der Hersteller verspricht einen Preisvorteil von 15.000 Euro. Ähnlich positioniert ist der Carasuite 650 MEG Edition Spicy der Konzern-Schwestermarke Weinsberg. 74.000 Euro statt 88.000 Euro sind für dieses ebenfalls teilintegrierte und ähnlich umfangreich ausgestattete Modell fällig.
Einen runden Geburtstag begeht derweil La Strada was die Premium-Manufaktur aus der Wetterau mit ihrer Edition 40 feiert. Kern ist dabei ein Induktionskochfeld, das nahtlos in eine Mineralstoffarbeitsplatte mit integrierter Spüle eingepasst wird. Die zwei Kochzonen des Herds haben 1000 und 1300 Watt Leistung. Damit diese auch ohne externen Stromanschluss parallel genutzt werden können, baut La Strada im Heckstauraum einen 3600 Watt starken Wechselrichter ein, der auf eine 410 Ah Lithium-Batterie zugreift. Ein 120-Ampere-Ladegerät besorgt schnelles Wiederaufladen. Auf eine Gasanlage wird komplett verzichtet, geheizt wird mit Dieselkraftstoff, der Kompressor-Kühlschrank arbeitet elektrisch. Untergebracht wird der starke Akku im Schrank der Gasflaschen, die entfallen.
Eine neue Modellreihe präsentiert Malibu. Der Relax bietet dank des großzügigen Eingangsbereichs eine neue Raumaufteilung auf kompakter Grundfläche. Er kombiniert die Vorzüge handlicher Vans mit der Fahrerhausgestaltung teilintegrierter Reisemobile. Der 6,34 Meter lange Van rollt auf dem Fiat Ducato. Außerdem zeigt die Carthago-Tochtermarke schmale integrierte Modelle in den Varianten Lightweight 3.5 t und Comfort 4.2 t. Fünf Grundrisse sind in beiden Klassen im Angebot, jeweils auf Fiat Ducato und Mercedes-Benz Sprinter.
Morelo stellt das exklusive Sondermodell Loft Alkoven 88 L in Stuttgart aus, die Ausstattung reicht von extratiefen Oberschränken bis hin zu Haushaltsgeräten, die das Niveau einer Einbauküche erreichen. Das Iveco-Chassis ist mit 207 PS (152 kW) motorisiert, eine Acht-Gang-Automatik, Hubstützen, diverse Assistenzsysteme sowie eine moderne Küche mit extra großen Kühlschrank sind bei 250.000 Euro Serienstandard. Günstiger ist die Einsteigerserie Home, nach einem Jahr Pause hat Morelo sie kräftig überarbeitet und bietet drei Modelle für jeweils 189.000 Euro an. Mit weniger Raum müssen sich Camper in den Absetzkabinen von Tischer begnügen. Der optimierte Grundriss des Trail 280S macht Reisen nun auch für Familien möglich, außerdem zeigt die Marke ein neues Kabinenkonzept für Basisfahrzeuge mit Flachpritsche.
Das erste Wochenende haben die Aussteller als verheißungsvollen Messeauftakt der CMT 2026 beschrieben. Bilanz darf jedoch erst am kommenden Sonntag gezogen werden, wenn die Freizeitmesse am Abend des 25. Januars ihre Tore schließt. (aum)
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CMT 2026.
Photo: Messe Stuttgart/Frank Eppler via Autoren-Union Mobilität
Dethleffs Globebus Performance T16.
Photo: Dethleffs via Autoren-Union Mobilität
Ford feiert 40 Jahre Nugget mit einer Sonderedition.
Photo: Ford via Autoren-Union Mobilität
Ford feiert 40 Jahre Nugget mit einer Sonderedition.
Photo: Ford via Autoren-Union Mobilität
Hyundai Staria Elektro Camper Concept.
Photo: Hyundai via Autoren-Union Mobilität
Hymer GTS-S 685.
Photo: Hymer via Autoren-Union Mobilität
Hymer Grand Canyon S 700 Cross Trail.
Photo: Hymer via Autoren-Union Mobilität
Hymer Grand Canyon S 700 Cross Trail.
Photo: Hymer via Autoren-Union Mobilität
Knaus Live Wave 650 MEG.
Photo: Knaus Tabbert via Autoren-Union Mobilität
Weinsberg Carasuite 650 MEG.
Photo: Weinsberg via Autoren-Union Mobilität
CMT 2026: La Strada.
Photo: Ralph Binder via Autoren-Union Mobilität
CMT 2026: La Strada.
Photo: Ralph Binder via Autoren-Union Mobilität