Basisfahrzeug, Wasser, Elektrik: die häufigsten Defekte bei Wohnmobilen

Wirklich rund läuft es nicht in der Caravan-Branche. Manch Hersteller oder Händler ist wegen Unregelmäßigkeiten oder Überkapazitäten unter Druck geraten, es kam gar zu Insolvenzen. Damit nicht genug: Es scheint auch ein Qualitätsproblem zu geben. Bislang war davon eher aus dem wohnmobilreisenden Bekanntenkreis zu hören, so haben wir von Dichtigkeitsmangel bei einem Teilintegrierten von Weinsberg gehört, aber auch Premiummarken waren betroffen. Der neu gekaufte Carthago Chic e-line brauchte gleich mehrere Werkstattbesuche um die reklamierten Defekte zu beheben. Jetzt hat die Fachzeitschrift „Promobil“ eine umfangreiche Befragung ihrer Leser zu Mängeln an Reisemobilen abgeschlossen. Das Ergebnis: 64 Prozent der Teilnehmer berichteten von Schwierigkeiten in den vergangenen zwölf Monaten. Das sind drei Prozentpunkte mehr als 2024.

Die meisten Sorgen bereiten allerdings nicht Möbelbau oder Sattlerarbeiten, die häufigsten Probleme werden vom Basisfahrzeug gemeldet. 26 Prozent der Befragten berichteten hier von Schwierigkeiten. Die Besitzer eines Fahrzeugs auf Sprinter-Basis haben schlechte Erfahrung mit der Erkennung des Funkschlüssels gemacht, andere beklagten den Ausfall der neunstufigen Automatik, der vorübergehend den Fiat Ducato stilllegte. Von einem falsch eingebauten Turbolader bei der vorigen Motorgeneration haben wir erst beim ersten Inspektionstermin in der Fachwerkstatt erfahren, Fiat besserte im Rahmen der Garantie nach. Ein weiterer Kritikpunkt war die Passgenauigkeit der Drehgestelle von Fahrer und Beifahrer. War der rechte Pilotensessel nicht besetzt, klapperte der Unterbau bei jeder Unebenheit der Fahrbahn.

Für wenig Freude sorgt auch die Bordelektrik. Laut „Promobil“ nannten 22 Prozent aller Befragten entsprechende Defekte. Erstaunlich dabei ist, dass bis zu vier Jahre alte Wohnmobile mit 26 Prozent deutlich anfälliger waren als betagtere (20 Prozent). Das elektrische Hubbett beispielsweise, das viele Hersteller mittlerweile in Kastenwagen und Teilintegrierten anbieten, kann die Nacht sehr ungemütlich machen, wenn die Liegefläche am Morgen vorher zu weit nach oben gefahren wurde und ein vergessenes Kisten die Selbstabschaltung in Endposition verhindert. Dann nämlich brennt die Schmelzsicherung durch, und wer weiß, wie versteckt manch ein Hersteller den Sicherungskasten einbaut, sieht den erforderlichen abendlichen gymnastischen Übung eher unfroh entgegen. Auffälligkeiten gibt es auch bei der Installation der Wasseranlage, ebenfalls 22 Prozent monierten hier Defekte, allerdings waren hier die älteren Fahrzeuge mit 26 Prozent stärker betroffen als neuere mit 20 Prozent.

Ein ausdrucksstarkes Bild gibt es bei Mängeln im Möbelbau. Hier meldeten 21 Prozent der Befragten Schäden. Bei jungen Mobilen bis vier Jahre klagte mehr als ein Drittel (34 Prozent) über defekte Möbel. Bei älteren Fahrzeugen waren die Anfälligkeiten von Push-Lock-Schlössern, Rollschubladen und Scharnieren mit 14 Prozent deutlich seltener. Ein weit verbreitetes Problem ist die Belastbarkeit von Rollschubladen. Häufig halten sie nicht das, was der Hersteller verspricht, und das Gewicht von Töpfen, Tellern und Vorräten drückt sie nach unten. Das führt dazu, dass der Sperrriegel des Schlosses den Schließzapfen nur noch marginal berührt und sich die Schublade in Kurven und bei Unebenheiten ungewollt öffnet. Wird die Masse dann am Ende Rollenlagerschienen abrupt gestoppt, können erhebliche Schäden entstehen.

Unschön sind auch die Nachlässigkeiten bei den Armlehnen der Pilotensitze. Sie lassen sich mit Rändelrädern unter dem vorderen Ende in der Höhe verstellen, nur leider geht die Näherei bei manchem Hersteller sehr sorglos mit der Maßhaltigkeit um. Oftmals ist die abgesteppte Aussparung im Bezug viel zu klein, um das Rad zu erreichen.

Der Alterungsprozess macht Kühlschränken mehr Probleme als Fenstern und Dachhauben. Über vier Jahre alte Fahrzeuge machten zu 22 Prozent Probleme, jüngere zu 16 Prozent. Auch die Aufbaudichtigkeit leidet mit zunehmendem Alter, 18 Prozent der älteren Mobile kämpfen laut Umfrage mit Feuchtigkeit, neuere sind nur zu zwölf Prozent betroffen.

Die geringsten Schwierigkeiten bereitet in der Statistik die Gasinstallation. Hier meldeten nur fünf Prozent der Besitzer älterer Reisemobile Schäden, bei neueren sogar nur drei Prozent. Was vermutlich an der erweiterten Gasprüfungspflicht liegt. (aum)


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Bilder zum Artikel

Qualitätsmängel im Wohnmobil.

Qualitätsmängel im Wohnmobil.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger


Qualitätsmängel im Wohnmobil.

Qualitätsmängel im Wohnmobil.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger


Qualitätsmängel im Wohnmobil: Die obere Schicht der Tischplatte hat sich gelöst.

Qualitätsmängel im Wohnmobil: Die obere Schicht der Tischplatte hat sich gelöst.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger


Wer das Hubbett im Wohnmobil nicht leer räumt, der riskiert, dass beim Hochfahren die Selbstabschaltung nicht funktionoiert.

Wer das Hubbett im Wohnmobil nicht leer räumt, der riskiert, dass beim Hochfahren die Selbstabschaltung nicht funktionoiert.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger


Wasserfilter im Wohnmobil.

Wasserfilter im Wohnmobil.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger


Viele Nutzer von Wohnmobilen klagen über Qualitätsmängel.

Viele Nutzer von Wohnmobilen klagen über Qualitätsmängel.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger