Formel-1-Nation Deutschland – Audi schlägt das nächste Kapitel auf

Der 8. März 2026 wird eine Zäsur in der deutschen Motorsportgeschichte. Denn an diesem Datum, einem Sonntag, wird ein neuer deutscher Hersteller sein Debüt in der Königsklasse des Motorsports geben: Audi wird mit einem Werksteam in der Formel 1 an den Start gehen. Für die Ingolstädter ist es eines der größten Investments in der Unternehmensgeschichte.

Etwa 650 Millionen Euro zahlte Audi allein, um das bisherige Sauber-F1-Team aufzukaufen. Dazu kommen Entwicklungskosten in dreistelliger Millionenhöhe. Bereits seit Frühjahr 2022 arbeitete die damals neu gegründete Audi Formula Racing GmbH am Standort Neuburg an der Donau an der Antriebseinheit des Formel-1-Rennwagens, der ab diesem Jahr seine Wettbewerbsfähigkeit beweisen muss.

Für das „Audi Revolut F1“-Team, für Menschen und Material, bedeutet der Start beim Großen Preis von Australien auf dem Albert Park Circuit in Melbourne Anfang März die erste große Belastungsprobe. Für die Motorsport-Nation Deutschland ist es das nächste Kapitel einer bereits lang andauernden Leidenschaft, denn schon in den 1930er-Jahren bestimmten mit Mercedes-Benz und der gerade erst gegründeten Auto Union – ein Zusammenschluss, zu dem damals auch Audi gehörte – zwei deutsche Hersteller die Grand-Prix-Rennen der Welt. Zum Erkennungszeichen beider Hersteller wurde die silberne Farbe ihrer Rennwagen: der Ursprung des Silberpfeil-Mythos, der bis heute anhält. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs dominierten die beiden deutschen Hersteller das weltweite Motorsport-Geschehen.

Fünf Jahre nach Kriegsende, 1950, wurde eine neue Rennserie ins Leben gerufen, die bis heute wie keine andere für Motorsport auf höchstem Niveau steht: die Formel 1. Deutschland war schon früh ein wichtiger Austragungsort von Rennen. Bereits 1951 gastierte die Formel 1 zum ersten Mal am Nürburgring: 180.000 Zuschauer kamen zum Vollgas-Spektakel in der Eifel. 1970 folgte das Debüt auf der anderen großen deutschen Rennstrecke, dem Hockenheimring. Zwischenzeitlich gastierte die Formel 1 sogar auf beiden Rennstrecken während einer Saison. Ein einmaliges Vergnügen hingegen war der deutsche Grand Prix im Jahr 1959, bei dem die Formel-1-Rennfahrer auf der AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) in Berlin um Sieg und Punkte kämpften.

Vom großen Interesse an der Rennserie wollten natürlich auch die deutschen Autohersteller profitieren. Mercedes-Benz war ab 1954 als erstes deutsches Werksteam in der Motorsport-Königsklasse vertreten. Trotz eines miesen Starts sollte es ein äußerst erfolgreiches Debüt werden: Der Rennwagen wurde einfach nicht rechtzeitig fertig – daher konnte das Team erst ab dem vierten Grand-Prix einsteigen. Da jedoch, in Frankreich, feierte Mercedes sein Debüt direkt mit einen Doppelsieg. Am Ende sprang für die argentinische Rennfahrer-Legende Juan Manuel Fangio im Mercedes W 196 sogar der WM-Titel heraus. Den Triumph konnte er in der nächsten Saison gleich noch einmal wiederholen. Anschließend zog sich Mercedes nach zwei sehr erfolgreichen Jahren fürs erste aus der Formel 1 zurück.

Dafür versuchte ein anderer deutscher Hersteller, die Top-Rennserie aufzumischen, nämlich Porsche. Das Engagement als Konstrukteur in den Saisons 1961 und 1962 erwies sich jedoch als weit weniger erfolgreich als das des Konkurrenten aus Stuttgart wenige Jahre zuvor. Der US-Amerikaner Dan Gurney holte am 8. Juli 1962 im Porsche 804/F1 Monoposto beim Großen Preis von Frankreich den einzigen Sieg für das Zuffenhausener Team. Kurz darauf beendete Porsche das glücklose Kapitel.

Deutlich erfolgreicher war dann Porsches Wirken als Motorenlieferant für das McLaren-Formel-1-Team in den Achtzigerjahren. Damals kam es zum direkten Motoren-Duell mit einem weiteren deutschen Hersteller, denn auch BMW lieferte zu der Zeit Triebwerke für die Königsklasse. 1983 triumphierte Nelson Piquet im Brabham-BMW und wurde Weltmeister. In der Folge wiederum verhalf Porsche-Power den beiden McLaren-Piloten Niki Lauda und Alain Prost in den Jahren 1984, 1985 und 1986 zu drei Fahrerweltmeisterschaften.

Nachdem anschließend die Erfolge ausblieben zogen sich beide Hersteller aus der Formel 1 zurück. Dafür kehrte 1995 Mercedes nach langer Abstinenz zurück auf die Weltbühne des Motorsports – ebenfalls als Motorenlieferant, ebenfalls für McLaren. Es waren Boomjahre für die Formel 1 in Deutschland. Dafür war jedoch weniger ein deutscher Motorenlieferant verantwortlich, sondern viel mehr ein aufstrebender deutscher Rennfahrer: Michael Schumacher.

Der junge Kerpener versetzte ab 1990, als er sein erstes Formel-1-Rennen bestritt, eine ganze Nation mehr und mehr ins Formel-1-Fieber. Zunächst fuhr er für Jordan, dann wechselte er zu Benetton und schließlich wurde er bei Ferrari zur prägenden Figur des Motorsports in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Zwischenzeitlich schalteten in Deutschland zehn Millionen TV-Zuschauer ein, wenn Michael Schumacher hinterm Lenkrad seines roten Ferrari-Renners saß und brillierte.

Schumacher überstrahlte hierzulande auch das Formel-1-Comeback von BMW zu Beginn der 2000er-Jahre. Mit sieben Weltmeistertiteln beendete „Schumi“ 2006 schließlich als bis dato erfolgreichster Formel-1-Fahrer überhaupt seine Karriere. Doch es hielt ihn nicht lange im Rennfahrer-Ruhestand. Denn nur vier Jahre später, 2010, als BMW sich gerade zum wiederholten Male aus der Formel 1 zurückgezogen hatte, gab er sein Comeback in der Motorsport-Königsklasse. Und zwar in Silber, denn Mercedes wollte nach jahrelanger Arbeit als Motorenlieferant mit einem eigenen Werksteam in der Formel 1 angreifen.

Schumacher und Mercedes – was vielversprechend klang, wurde zu einer unglücklichen Liaison, bei der am Ende lediglich ein Podestplatz für den Deutschen zu Buche stand. Jedoch wurde Schumacher während seiner Zeit bei Mercedes Zeuge des Aufstiegs des nächsten deutschen Formel-1-Talents: Sebastian Vettel.

Vettel hatte erste F1-Erfahrung beim deutschen BMW-Sauber-Team gesammelt und trat ab 2009 für den Rennstall von Red Bull in der Formel 1 an. Vettel wurde zum Dominator der frühen 2010er-Jahre. Er sicherte sich zwischen 2010 und 2013 vier Weltmeistertitel in Serie. Gebrochen wurde seine Dominanz schließlich von Mercedes. Der Brite Lewis Hamilton, der Michael Schumacher nach dessen endgültigen Karriereende im Jahr 2012 bei den Silbernen beerbte, führte Mercedes an die Spitze. Zwischen 2013 und 2020 entschied er sechs WM-Titelrennen für sich. Einzig im Jahr 2016 musste er sich geschlagen geben, und zwar seinem Teamkollegen bei Mercedes, Nico Rosberg.

Rosberg, der nach dem Triumph seine Karriere beendete, ist bis heute der letzte Deutsche, der sich den Titel als Formel-1-Weltmeister sichern konnte. In der kommenden Saison könnte das Nico Hülkenberg ändern, dem einzigen Deutschen der neuen Saison. Ein Triumph wäre jedoch ein höchst außergewöhnliches Erfolgserlebnis, denn Hülkenberg geht für das neue Audi-Formel-1-Team an den Start. (aum)


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Bilder zum Artikel

Formel-1-Rennwagen von Audi.

Formel-1-Rennwagen von Audi.

Photo: Audi via Autoren-Union Mobilität


Formel-1-Rennwagen von Audi.

Formel-1-Rennwagen von Audi.

Photo: Audi via Autoren-Union Mobilität


Formel-1-Rennwagen von Audi.

Formel-1-Rennwagen von Audi.

Photo: Audi via Autoren-Union Mobilität


Auto Union Silberpfeil (1934).

Auto Union Silberpfeil (1934).

Photo: Audi via Autoren-Union Mobilität


Juan Manuel Fangio im Mercedes W 196 (1955).

Juan Manuel Fangio im Mercedes W 196 (1955).

Photo: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität


Dan Gurney im Porsche 804 beim Großen Preis von Rouen 1962. Es war der erste und bislang auch letzte Grand-Prix-Erfolg der Marke bei einem WM-Lauf.

Dan Gurney im Porsche 804 beim Großen Preis von Rouen 1962. Es war der erste und bislang auch letzte Grand-Prix-Erfolg der Marke bei einem WM-Lauf.

Photo: Porsche via Autoren-Union Mobilität


Feiern nach dem Grand Prix von Spanien 2002: Michael Schumacher und Juan Pablo Montoya.

Feiern nach dem Grand Prix von Spanien 2002: Michael Schumacher und Juan Pablo Montoya.

Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität


Williams-BMW FW 26 (2004)

Williams-BMW FW 26 (2004)

Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität


Nico Rosberg und Michael Schumacher beim Mercedes-Comeback 2010 in der Formel 1.

Nico Rosberg und Michael Schumacher beim Mercedes-Comeback 2010 in der Formel 1.

Photo: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität


Nico Rosberg im Formel-1-Wagen von Mercedes (2011).

Nico Rosberg im Formel-1-Wagen von Mercedes (2011).

Photo: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität


Nico Rosberg, Formel-1-Weltmeister 2016.

Nico Rosberg, Formel-1-Weltmeister 2016.

Photo: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität


„Geneva International Motorshow Qatar 2023“: Audi wirbt schon mal für seinen Einstieg in die Formel 1.

„Geneva International Motorshow Qatar 2023“: Audi wirbt schon mal für seinen Einstieg in die Formel 1.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Walther Wuttke