Kommentar: Zu früh gefreut

Zu früh gefreut. Wer meinte, mit dem Vorschlag der EU-Kommission zur Flexibilisierung des Verbrennerverbots sei nun die Vernunft in die Diskussion eingekehrt, sieht sich getäuscht. Die Regeln, die jetzt auf dem Tisch liegen, nehmen bewusst in Kauf, dass Emissionssenkungen spät einsetzen. Die Elektro-Monokultur durchzusetzen ist den Agierenden offenbar immer noch wichtiger als der Klimaschutz.

Wir wissen doch längst, dass jedes Prozent Biokraftstoff im Diesel und jeder Liter e-Fuel dem Klima sofort hilft, weil sie klimaneutral gewonnen werden und keine zusätzlichen CO2-Emissionen erzeugen. Also brauchen wir den schnellen Hochlauf aller alternativen Kraftstoffe, um bei den rund 250 Millionen in Europa zugelassenen Verbrennern rasch einen Einfluss aufs Klima zu erzielen.

Wer bisher noch keinen Zweifel an der Rationalität der Verbrenner-Diskussion gehabt hatte, der sollte sich bewusst werden, dass Trotz eine starke Kraft entwickelt. Da versteht der mitdenkende Bürger die Enttäuschung von Ralf Diemer, der als Hauptgeschäftsführer der e-Fuel-Alliance heute in einer Stellungnahme seines Verbandes die limitierte Wirkung des Pakets kritisiert, weil wichtige Optionen erst ab 2035 in Kraft treten. Außerdem entfalte die Obergrenze von drei Prozent für erneuerbare Kraftstoffe „keine Anreize für den Markthochlauf erneuerbarer Kraftstoffe und limitiert den Markt künstlich“, beklagt er unter anderem.

Der Eindruck drängt sich auch hier wieder auf, dass Brüssel mehr Interesse am Durchsetzen der Elektromobilität als am Klimaschutz zeigt. An dieser Stelle kommt dann oft auch die Planungssicherheit in Spiel, die es im Interesse der Automobilindustrie zu wahren gelte. Da entstehen dann rührende Szenen, wenn Umweltaktivisten oder geneigte Medien die Sorge vorgeben, die Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie und Arbeitsplätze schützen zu wollen.

Als Manager oder Ingenieur wäre ich empört oder bestenfalls belustigt über solche Statements aus der Amateurliga. (aum)


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Peter Schwerdtmann.

Peter Schwerdtmann.

Photo: Auto-Medienportal.Net