Tatort Schnelllader: Kabel-Diebstähle nehmen zu

Mehr als 42.000 Schnellladepunkte gibt es in Deutschland – und damit mehr als 42.000 potenzielle Tatorte. Denn immer öfter steuern nicht Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos die Schnelllader an, sondern Kriminelle. Sie haben es offenbar auf die Ladekabel abgesehen, die bei Gleichstrom-Ladern fest mit der Säule verbunden sind und je nach Bauart zwischen vier und zehn Kilogramm Kupfer enthalten. Die Ladesäulenbetreiber reagieren nun mit neuen Sicherheitsmaßnahmen.

Am Rand von Supermarkt-Parkplätzen, an Autobahnraststätten oder neben Bau- und Gartenmärkten: Wenn die Geschäfte schließen und die Dämmerung hereinbricht, stehen die Schnellladesäulen dort recht einsam in der Gegend. Diebe haben dann leichtes Spiel: Mit einer Akku-Flex oder einem Kabelschneider trennen sie die dicken Ladekabel von den Säulen, um an das Kupfer im Inneren heranzukommen.

Bei Weiterverkauf an einen Schrotthändler bringt das rund 50 Euro pro Kabel, auf dem Schwarzmarkt etwa die Hälfte. Ein vergleichsweise lächerlicher Betrag angesichts des Schadens, der durch den Kabel-Diebstahl entsteht: Denn ein neues Kabel inklusive des Aufwands für Einbau und Prüfung des Starkstromsystems kostet bis zu 8000 Euro. Dazu kommen die Umsatzeinbußen für meist mehrere Wochen, bis eine Ladesäule wieder repariert ist. Und für die Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos ist es ein Ärgernis, wenn eine angesteuerte Ladesäule nicht genutzt werden kann.

Vielleicht jedoch ist das für manche Täter das eigentliche Ziel: die Elektromobilität zu sabotieren. Denn offenbar handelt es sich bei etlichen Fällen, in denen Schnellladekabel abgetrennt werden, um Vandalismus. Etwa weil die Kupferkabel gleich unterhalb des Ladesteckers abgetrennt werden, oder weil die abgeschnittenen Kabel irgendwo in der Nähe ins Gebüsch geworfen werden – idiotische Auswüchse einer Ideologie, die Elektroautos ablehnt.

Alarmierend ist, dass die Ladekabel-Kriminalität zunimmt. Das Landeskriminalamt Niedersachsen etwa bestätigt auf Anfrage, dass in den Jahren 2023 und 2024 die Fallzahlen noch „im niedrigen einstelligen Bereich“ lagen, seit 2025 jedoch ein Anstieg „auf einen hohen zweistelligen Bereich“ festzustellen sei. Insbesondere die Gebiete um Hannover, Göttingen und Braunschweig seien betroffen, so das LKA. Das Energieunternehmen EnBW, größter Ladenetzbetreiber in Deutschland, verzeichnet nach eigenen Angaben die meisten Vorfälle. Außer in Niedersachsen vor allem in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen. Der Anbieter EWE Go nennt Leipzig und Düsseldorf als Schwerpunkte der Kabel-Kriminalität. Oft würden dort auch erst frisch instand gesetzte Anlagen erneut entkabelt.

Grundsätzlich wird jeder Kabeldiebstahl und jede Form von Ladesäulenbeschädigung zur Anzeige gebracht. Die Ermittlungen sind jedoch in den allermeisten Fällen schwierig. Doch das soll sich ändern: Zum einen durch technische Hilfsmittel. So setzt Tesla bei den Supercharger-Schnellladekabeln beispielsweise eine nicht abwaschbare Tinte ein, die beim Beschädigen der Kabelisolation austritt und deutliche Spuren an Haut und Kleidung hinterlässt. Zudem planen Ladesäulenbetreiber, die Ummantelung der Kabel widerstandsfähiger zu machen, Alarmanlagen, Überwachungskameras oder weitere Sicherheitssysteme zu installieren, etwa GPS-Tracker in den Kabeln, um nach einem Diebstahl schnell auf die Spur der Täter zu kommen.

Auch juristisch wird das Problem offenbar ernst genommen. Das Amtsgericht Leipzig verhandelte jüngst einen Fall, in dem ein 43-Jähriger gestanden hatte, mehrere Ladekabel abgetrennt zu haben. Allerdings wurde die Tat nicht als Diebstahl eingestuft, sondern als gemeinschaftliche Sachbeschädigung. Dieser Tatbestand wird mit einem deutlich strengeren Strafrahmen geahndet – weil damit Ladekabel rechtlich als Teil der öffentlichen Infrastruktur eingestuft werden. Der Täter wurde daher zu 20 Monaten Haft verurteilt. Im noch laufenden Berufungsprozess vor dem Landgericht gibt es noch kein Urteil. (aum)


Wenn Sie der Artikel für Ihr Medium interessiert, registrieren Sie sich bitte hier!
Dann können Sie den Artikel oder die Bilder und Videos herunterladen.


Bilder zum Artikel

Ladesäulen bei Nacht.

Ladesäulen bei Nacht.

Photo: Frank Wald via Autoren-Union Mobilität


Ladesäulen bei Nacht.

Ladesäulen bei Nacht.

Photo: EnBW via Autoren-Union Mobilität


Schnellladekabel (Symbolbild).

Schnellladekabel (Symbolbild).

Photo: EnBW via Autoren-Union Mobilität