Zisch und weg: Neue Elektromotorräder

Motorradfahrer lieben das Gefühl: Ein Dreh am rechten Lenkergriff, und ab geht die Post. Natürlich bieten auch Elektromotorräder genau dieses Erlebnis – allerdings nahezu lautlos, vibrationsfrei und ohne Abgase. Für einige hartgesottene Biker mag das zumindest ungewöhnlich sein. Doch wer sich darauf einlässt, erlebt den Spaß an Geschwindigkeit und Schräglage umso intensiver. Das Fahrgefühl auf einem Elektromotorrad ist etwas Besonderes.

Auf dem Automobilmarkt in Deutschland machen batterieelektrische Modelle derzeit knapp 20 Prozent aller Neuzulassungen aus. Die Elektromobilität ist längst etabliert in der Autowelt, daran gibt es trotz einiger Absatzschwankungen und mancher politischer Störfeuer keinen Zweifel. Bei den Motorrädern jedoch keimt der Elektroantrieb gerade erst. Die Zulassungszahlen für Bikes mit Akku und Elektroantrieb liegen hierzulande noch im dreistelligen Bereich. Das dürfte sich jedoch ändern – allein schon, weil das Angebot an E-Maschinen rasant wächst und immer neue, interessante Modelle auf den Markt kommen. Und natürlich deshalb, weil – ähnlich wie für Elektroautos – auch für elektrische Zweiräder gilt, dass sie ein völlig neues, extrem sportliches und intensives Fahrerlebnis vermitteln.

Klar mag es zumindest für gusseiserne Biker befremdlich erscheinen, wenn der Dreh am Gasgriff nicht von einer akustischen Drehzahlfanfare begleitet wird. Doch diese Besonderheit von E-Motorrädern dürfte nicht nur Anwohner stark frequentierter Biker-Strecken erfreuen, sondern auch für den Menschen im Sattel wird das Erlebnis noch intensiver, wenn der Motorlärm verschwindet. Das ist ähnlich wie beim Skifahren: Wer in flotten Carving-Schwüngen eine rote Piste hinunterfegt, braucht kein zusätzliches Gedröhne für den perfekten Genuss. Nicht umsonst gibt es ja das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“.

Nachvollziehen lässt sich die besondere Faszination auf Elektromotorrädern aller Art. Etwa auf den eher für Einsteigerinnen und Einsteiger gedachten Modellen der Münchener Firma Blacktea, die nach eigenen Angaben „Deutschlands erster reiner Elektromotorrad-Hersteller“ ist. Der Erstling des Start-ups ist das Modell Wildfire mit einem Rahmen aus genietetem Edelstahlblech, einer E-Maschine mit 11 kW (15 PS) Dauerleistung (Spitzenleistung 34 kW/46 PS) und gleich zwei herausnehmbaren Akkus. Die beiden Energiepakete bieten jeweils 6 kWh Speicherkapazität und können in weniger als einer Stunde an jeder Haushaltssteckdose wieder aufgeladen werden. Rund 250 Kilometer Reichweite sind so möglich, die Höchstgeschwindigkeit bei 130 km/h. Die Preise für die Blacktea Wildfire beginnen bei 7990 Euro. Da die Dauer- und nicht die kurzfristige maximale Peak-Leistung ausschlaggebend ist, werden 11-kW-Elektromotorräder als Leichtkrafträder eingestuft, sind aber deutlich schneller unterwegs als die Verbrennermodelle in dieser Klasse, die auch in der Spitze höchstens 15 PS abgeben dürfen.

Ebenfalls in der Einsteigerklasse ist die vollelektrische Enduro des kanadischen Hersteller Can-Am angesiedelt. Die Origin tritt mit einer flüssigkeitsgekühlten E-Maschine von Rotax an, die eine Leistung von 35 kW (47 PS) entwickelt (alternativ auch 11 kW) und eine Höchstgeschwindigkeit von 129 km/h ermöglicht. Die Maschine wiegt 187 Kilogramm, beschleunigt in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 und trägt einen Lithiumionen-Akku mit 8,9 kWh Ladekapazität unter der Verkleidung. Das reicht für rund 115 Kilometer Fahrstrecke. Nach bestenfalls eineinhalb Stunden ist der Akku wieder komplett geladen. Die Maschine mit LED-Licht, 10,25-Zoll-Touchscreen, sechs Fahrmodi und Rückwärtsgang kostet nach einer angekündigten Preissenkung von 3000 Euro aktuell 13.499 Euro.

Auch die Traditionsmarke Royal Enfield, gegründet 1901 in England und seit 1995 ein indisches Unternehmen, bringt ein elektrisches Bike an den Start. Die älteste noch produzierende Motorradmarke der Welt hat dafür eine Submarke gegründet: Flying Flea. Damit spielt die inzwischen in Chennai ansässige Firma an auf die Royal Enfield Flying Flea, ein kleines, leichtes Motorrad aus den Vierzigerjahren. Die Flying Flea des neuen Jahrtausends soll ab dem kommenden Jahr mit Elektroantrieb und retro-futuristischem Design auf den Markt kommen. Noch gibt es kaum technische Angaben zu dem angekündigten Bike. Mutmaßlich wird eine E-Maschine mit 11 kW Leistung für Vortrieb sorgen, ein Zahnriemen soll die Power ans Hinterrad übertragen. Dazu kommen schmale 19-Zoll-Räder, die das schlanke, sportliche Erscheinungsbild ergänzen sollen. Der Preis? Ist noch ein Fragezeichen.

Ein ganz anders Kaliber ist die S2 Del Mar. Das E-Motorrad des 2021 vom US-Hersteller Harley-Davidson gegründeten Tochterunternehmens Livewire beschleunigt in drei Sekunden von 0 auf Tempo 100, wird bis zu 165 km/h schnell und ermöglicht eine Reichweite von bis zu 181 Kilometern. Diese Eckwerte zeigen, dass hier ein kraftvolles, wendiges und zugleich wuchtiges E-Motorrad antritt. Dazu kommen bei der Livewire S2 Del Mar eine schicke Optik und mächtige 19-Zoll-Räder, die dem Motorrad schon im Stand eine überzeugende Präsenz geben. Angeboten wird das Elektrostatement auf zwei Rädern offiziell ab 19.129 Euro. Gerade erst hat Livewire den Preis für eine befristete Zeit um fast die Hälfte reduziert.

Noch eine Spur extremer fällt die E-Maschine Italian Volt Lacama aus. Entwickelt wurde sie vom italienischen Unternehmen Italien Volt aus Imola, gelegen zwischen Bologna und Rimini. Das Modell Lacama, so heißt es schwärmerisch auf der Webseite, komme direkt aus der Zukunft, um seine Fahrerin oder seinen Fahrer genau dorthin zu begleiten: in die Zukunft. Als Antrieb ist eine Axialfluss-Elektromaschine eingebaut, die je nach Akku-Konfiguration bis zu 110 kW (150 PS) Leistung und ein maximales Drehmoment von 230 Newtonmetern entwickelt. Die Höchstgeschwindigkeit der Topvariante liegt bei 230 km/h, die Reichweite bei bis zu 257 Kilometern. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine Öhlins-Gabel, ein 5-Zoll-Farbdisplay, einen Karbon-Riemen-Antrieb sowie eine Brembo-Bremsanlage. Wer sich in den Sattel der Lacama schwingt, kann zudem zwischen vier Fahrmodi wählen. Preis des elektrischen Highend-E-Bikes: ab 29.800 Euro.

Noch etwas teurer sind die Motorräder des finnischen Herstellers Verge, deren besonderes Merkmal der Felgenmotor ist, um den sich das Hinterrad wie auf Schienen dreht. Zudem beeindruckt das Drehmoment von 1000 Newtonmetern. Als Reichweite gibt der Hersteller für die TS Pro bis zu 350 Kilometer an. Dafür müssen dann auch fast 37.000 Euro bezahlt werden. Mit der angekündigten TS Ultra will Verge ab kommendem Jahr noch mehr Leistung bieten. (aum)


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Bilder zum Artikel

Can-Am Origin.

Can-Am Origin.

Photo: BRP via Autoren-Union Mobilität


Blacktea Wildfire.

Blacktea Wildfire.

Photo: Blacktea via Autoren-Union Mobilität


Blacktea Wildfire.

Blacktea Wildfire.

Photo: Blacktea via Autoren-Union Mobilität


Blacktea Wildfire.

Blacktea Wildfire.

Photo: Blacktea via Autoren-Union Mobilität


Can-Am Origin.

Can-Am Origin.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Can-Am Origin.

Can-Am Origin.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Can-Am Origin.

Can-Am Origin.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Can-Am Origin.

Can-Am Origin.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Royal Enfield Flying Flea.

Royal Enfield Flying Flea.

Photo: Royal Enfield via Autoren-Union Mobilität


Royal Enfield Flying Flea S6.

Royal Enfield Flying Flea S6.

Photo: Royal Enfield über Autoren-Union Mobilität


Royal Enfield Flying Flea C6.

Royal Enfield Flying Flea C6.

Photo: Royal Enfield über Autoren-Union Mobilität


Royal Enfield Flying Flea.

Royal Enfield Flying Flea.

Photo: Royal Enfield via Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Del Mar.

Livewire S2 Del Mar.

Photo: Livewire via Autoren-Union Mobilität


Livewire S2 Del Mar.

Livewire S2 Del Mar.

Photo: Livewire via Autoren-Union Mobilität


Italian Volt Lacama.

Italian Volt Lacama.

Photo: Italian Volt via Autoren-Union Mobilität


Italian Volt Lacama.

Italian Volt Lacama.

Photo: Italian Volt via Autoren-Union Mobilität


Verge TS.

Verge TS.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Verge


Verge TS.

Verge TS.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Verge TS.

Verge TS.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Felgenmotor von Verge.

Felgenmotor von Verge.

Photo: Autoren-Union Mobilität