VW ID Polo, BMW iX3, Mercedes GLC – sind das die Rettungswagen?
9. September 2025 Von Guido Reinking
So geht es auch dem VW ID Polo und dem Mercedes-Benz GLC, die ebenfalls auf der IAA Mobility in München stehen. Die Botschaft der drei Modelle ist klar: Niemand sollte die deutsche Automobilindustrie abschreiben. Egal, was aus China kommt – wir können es noch.
Alle drei Hersteller setzen mit den neuen Modellen auf ihre traditionellen Stärken: Design, Qualität, Technologie. Vor allem BMWs iX3 und der ID Polo von Volkswagen kehren – nach manchen Verirrungen der jüngsten Vergangenheit – wieder zu den Wurzeln der Marken zurück. Die traditionellen Nieren des BMW sind nun aus Licht statt aus Chrom und wieder so schlank wie die der „Neuen Klasse“ von 1962 – nachdem der i7 zwei absurd große Exemplare spazieren fährt. Die Karosserielinien sind klar gezeichnet und gefallen dem Publikum offensichtlich.
Auch der elektrische Polo hat die gesichtslose Formensprache des ID 3 abgeschüttelt und kommt mit breiter C-Säule und hochwertigem Innenraum wieder wie ein echter VW daher. Der ID Cross Concept, das SUV in Polo-Größe, wäre auch ohne Markenemblem als VW erkennbar.
Beim neuen Mercedes „GLC mit EQ-Technologie“ ist nicht nur die Modellbezeichnung etwas sperrig. Der fette, mit 100 LED-Lichtern illuminierte Kühlergrill – den ein Elektroauto in dieser Größe gar nicht braucht – stößt auf ein geteiltes Echo. Mercedes-Designer Gorden Wagener wollte auf zahlreiche Chromteile nicht verzichten, während BMW Bling-Bling längst ablehnt. „Licht ist das neue Chrom“, sagt BMW-Designer Adrian van Hooydonk.
Beim Antrieb zeigen beide Modelle ähnliche Konzepte: BMW und Mercedes erhöhen die Bordspannung der Elektroantriebe auf 800 Volt. Damit werden 30 Prozent schnellere Ladezeiten möglich, die dem Tanken eines Verbrenners ähneln.
BMW-Chef Oliver Zipse verspricht einen Verbrauch von nur 15 Kilowattstunden (kWh) auf 100 Kilometer, was in dieser Klasse ein Rekord wäre. Gebaut wird der iX3 ab Ende des Jahres im neuen Werk im ungarischen Debrecen. Die geringen Fertigungskosten dort tragen auch zum Preis von 68.900 Euro bei. „Das ist ein sehr wettbewerbsfähiger Preis“, sagt BMW-Chef Zipse. Der i3, ebenfalls auf Basis der „Neuen Klasse“, läuft dann nächstes Jahr im Münchener Werk an.
Zwei Elektromotoren treiben Vorder- und Hinterachse des iX3 50 an und liefern 346 kW (470 PS). Mindestens ebenso wichtig wie der Antrieb ist den Bayern die Elektronik: Mithilfe des Technologiekonzerns Qualcomm hat BMW auch eine neue Elektronikplattform entworfen. Vier „Superbrains“ ersetzen einen großen Teil der mehr als hundert Steuergeräte, die in vielen Autos Dienst tun. Sie sind updatefähig, können also immer mit der neuesten Software versorgt werden.
Auffälligstes Merkmal im Innenraum ist ein Bildschirmband am unteren Rand der Windschutzscheibe. Hier werden – von allen Sitzen aus sichtbar – Informationen über die Fahrt und die gespielte Musik gezeigt. Einen Bildschirm in der Mitte und ein Head-up-Display gibt es zusätzlich.
Der Antrieb des Mercedes GLC zeigt ähnliche Leistungsdaten. Auch seine Bord-IT wird regelmäßig per Mobilfunknetz mit Updates versorgt. Damit können die Autos immer auf dem neuesten Softwarestand gehalten werden. Den Innenraum dominiert ein meterlanger Bildschirm. Ähnliches hat man bei Mercedes aber schon gesehen.
Bei Volkswagen standen bei der Entwicklung von ID Polo und ID Cross die Kosten im Fokus: „Wir haben um jeden Euro gekämpft“, sagt VW-Designer Andreas Mindt. Anders wäre der Zielpreis des ID Polo, der im Herbst nächsten Jahres für unter 25.000 Euro auf den Markt kommen soll, nicht möglich gewesen. Man sieht es den neuen VW-Modellen nicht an.
Die VW-Modelle kommen mit einem Bordnetz von 400 Volt aus und haben ebenfalls eine updatefähige IT-Architektur. Während die flache Batterie im Wagenboden sitzt, wurden Antrieb und Steuerungselektronik im Vorderwagen eingebaut. Damit konnte die Länge der teuren Hochleistungskabel auf ein Minimum beschränkt werden.
Während BMW und Mercedes die Batteriezellen ihrer neuen Modelle von asiatischen Herstellern beziehen, greift Volkswagen zumindest teilweise auf die eigene Zellfertigung Powerco zurück. Diese läuft gerade im Werk Salzgitter an. Auch in Spanien entsteht ein Powerco-Werk. Dort werden der ID Polo und – wie der technisch ähnliche Cupra Raval – auch in Pamplona gebaut.
Im Gegensatz zu VW greift BMW bei der Batteriezelle auf die chinesischen Hersteller CATL und EVE Energy zurück. Mercedes bezieht die Zellen des GLC von dem südkoreanischen Hersteller LG.
Damit können auch die neuen Elektromodelle von BMW und Mercedes über eine Schwäche der deutschen Automobilindustrie nicht hinwegtäuschen: Bei der Produktion der Batteriezellen, die rund 40 Prozent des Fahrzeugwertes ausmachen, wächst die Abhängigkeit von Lieferanten aus Asien – vor allem aus China. (aum)
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IAA 2025: Markenchef Thomas Schäfer mit dem VW ID Cross Concept.
Photo: Volkswagen via Autoren-Union Mobilität
Vorstandschef Oliver Zipse (rechts) und Designer Adrian van Hooydonk bei der Weltpremiere des BMW iX3 in München.
Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität
IAA 2025: BMW iX3.
Photo: BMW via Autoren-Union Mobilität
Mercedes-Benz GLC mit EQ-Technologie.
Photo: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität
Mercedes-Benz GLC mit EQ-Technologie.
Photo: Mercedes-Benz via Autoren-Union Mobilität
IAA 2025: Markenchef Thomas Schäfer mit dem VW ID Cross Concept.
Photo: Volkswagen via Autoren-Union Mobilität
VW ID Cross Concept.
Photo: Volkswagen via Autoren-Union Mobilität
VW ID Cross Concept.
Photo: Volkswagen via Autoren-Union Mobilität
VW ID Cross Concept.
Photo: Volkswagen via Autoren-Union Mobilität
VW ID Polo und ID Polo GTI.
Photo: Volkswagen via Autoren-Union Mobilität