Knaus setzt Camper auf Diät

Gewogen und für zu schwer befunden. Gerade während der Reisezeit mehren sich die Nachrichten über häufige Gewichtskontrollen bei Reisemobilen und Wohnwagen auf den Fernstraßen. Das Erschreckende: Mehr als 20 Prozent von ihnen sind überladen, teilweise um viele 100 Kilogramm. Schon bei 25 Prozent Übergewicht werden bei einem mit 3,5 Tonnen zugelassenem Camper 140 Euro Bußgeld fällig, ab 30 Prozent sind es 235 Euro und es gibt einen Punkt. Ein neues Verfahren beim Möbelbau könnte Abhilfe schaffen.

Das zu hohe Gewicht wird nicht ohne Grund geahndet. Bei Überladung verschlechtert sich das Fahrverhalten, verlängern sich Bremsweg und Überholvorgänge. Kommt es zu einem Unfall des nachweislich zu schweren Mobils, kann es Probleme bei der Schadenregulierung kommen, da das Wohnmobil im öffentlichen Straßenverkehr nicht vorschriftsmäßig bewegt wurde.

Der Grund für die vielen Pfunde ist nicht nur die zusätzliche Ausstattung für die Abgasreinigung als Zulassungsvoraussetzung der Wohnmobile, auch der Komfortanspruch der Camper ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Ohne eine Markise (etwa 30 Kilogramm), Sat-TV (25 Kilogramm), Solarzellen und größerer Bordbatterie (zusammen wenigstens 50 Kilogramm) geht heute kaum noch jemand auf die Reise. Grill, Campingmöbel, Elektrobikes und sonstige technische Ausrüstung drücken ebenfalls schwer auf der Waage.

Mit ein paar Ideen lässt sich das Gewicht zäumen. Vorräte sollten erst am Urlaubsziel eingekauft werden, auch der Wassertank reicht mir einer Füllung von zehn oder 20 Litern (statt beispielsweise möglicher 100 Liter) für die Anreise. Oder man greift auf die Neuheiten von Knaus-Tabbert zurück, die beim Möbelbau drastisch Gewicht sparen. EPP heißt der neue Werkstoff, aus dem das Traditionsunternehmen in Jandelsbrunn (Bayrischer Wald) nahe zu das gesamte Mobiliar fertigt. Es handelt sich dabei um einen geschäumten Kunststoff, der entsteht, wenn winzig kleine Polypropylenkugeln in einer Form mit Hilfe von Dampf und hoher Temperatur expandiert, also ausgedehnt werden. So entstehen ultraleichte, aber hochfeste Platten, die hauptsächlich aus Luft bestehen, aber durch die aufgeschäumten Kunststoffperlen eine immense Steifigkeit erhalten.

Zunächst sollen die ausgebauten Kastenwagen von Knaus mit dieser Technik eingerichtet werden und je nach Variante bis zu 60 Kilogramm je Fahrzeug sparen. Erste Modelle will der Hersteller auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf Ende August zeigen. Die EPP-Technik hat nebenher weitere Vorteile für den Einsatz im Kastenwagen-Camper. Er wirkt akustisch und thermisch isolierend, ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit und lässt sich leichter verarbeiten als herkömmliche Möbelelemente. Zudem sind die Bauteile frei formbar, was eine bessere Raumausnutzung möglich macht. All diese Faktoren sprechen dafür, dass der Einsatz von EPP kostenneutral bleibt. (aum/mk)


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Bilder zum Artikel

Knaus Boxtime 600 mit EPP-Möbelbau.

Knaus Boxtime 600 mit EPP-Möbelbau.

Photo: Knaus-Tabbert via Autoren-Union Mobilität


Knaus Boxtime 600 mit EPP-Möbelbau.

Knaus Boxtime 600 mit EPP-Möbelbau.

Photo: Knaus-Tabbert via Autoren-Union Mobilität


Knaus Boxtime 600 mit EPP-Möbelbau.

Knaus Boxtime 600 mit EPP-Möbelbau.

Photo: Knaus-Tabbert via Autoren-Union Mobilität


Knaus Boxtime 600.

Knaus Boxtime 600.

Photo: Knaus-Tabbert via Autoren-Union Mobilität